Roger Cicero – ausgezeichnet! Düsseldorf – nie wieder

Ich komme soeben vom Roger Cicero Konzert, das heute gestern in der Tonhalle D*****dorf stattgefunden hat, und bin quasi immer noch “high”. Es war ein tolles Erlebnis, auch wenn es in Düsseldorf war. Zu dem Zeitpunkt, als wir damals Karten für Roger Cicero kaufen wollten, waren nur Konzerte in kleinen Hallen geplant und das einzige, was in der Nähe an einem Wochenende stattfand, war eben gestriges Konzert in D*****dorf. Okay, nimmt man als Kölner und Musikliebhaber nicht alles hin.

Nun kam es, wie es kommen mußte: Die Anfahrt war eine Qual. Während in anderen vernünftigen Städte neuraligische Punkte vernünftig ausgeschildert sind, hat man in D*****dorf wohl darauf verzichtet. Das führte dazu, daß wir mindestens fünfmal den Rhein überquerten und uns in einer großen Spirale der Tonhalle näherten. Das nächste Problem war das Auffinden eines Parkplatzes. Da gab es zwar Schilder, aber wenn man diesen folgte, war weit und breit kein Parkhaus zu sehen – was übrigens auch zu zwei der insgesamt fünf Rheinüberquerungen beitrug. Als wir dann letztendlich einen Parkplatz gefunden hatten, mußten wir erstmal den Eingang der Tonhalle suchen, was einigermaßen normal von statten ging. Die nächste Merkwürdigkeit war die Sitznummerierung. Meine Frau und ich hatten uns schon gewundert, daß wir die Plätze 19 und 21 hatten. Das hätte bedeutet, daß wir nicht hätten zusammensitzen können. Auf dem Lageplan erkannte ich dann die Auflösung: In Düsseldorf zählt man wohl etwas anders als im Rest der Republik. Denn in der Tonhalle waren auf der linken Seite einer Sitzreihe die ungeraden Nummern und auf der rechten die geraden. Entweder sind die D*****dorfer so bescheuert merkwürdig, oder ein Kölner war dafür verantwortlich und hat dies aus purer Bosheit gemacht – dann finde ich das wiederum sehr gut.

Roger Cicero Männersachen

Nun gut, irgendwann saßen wir dann glücklich und zufrieden, so daß das Konzert beginnen konnte. Und das war… bombastisch. Ich kannte die CD “Männersachen” und konnte eigentlich ahnen, was mich erwarten würde. Aber diese Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Roger Cicero wußte durch Witz und Charme und natürlich durch seine sagenhafte Stimme zu begeistern. Und nicht nur uns, sondern der ganze Saal tobte. Mit jedem Lied, das der Sänger anstimmte, stieg die Stimmung jedesmal um einige Prozentpunkte. Die bekannten Song aus seiner ersten Solo-CD “Männersachen” überzeugen durch einen erstklassigen Wortwitz und das konnte Roger Cicero auch live hervorragend rüberbringen. Erster genialer Höhepunkt war die gewagte, aber geniale Coverversion von Rio Reisers “König von Deutschland”. Das ist schon ein Klassiker und es bedeutet viel Mut, sich daran zu wagen, aber es ist dem guten Roger gelungen dieses Lied eindrucksvoll in seinem Stil zu interpretieren. Dabei bezog er auch mit einer wunderbaren Idee das Publikum mit ein. Die Band, die seine musikalische Darbietung unterstützte, war durchweg mit hervorragenden Musikern besetzt, so daß alles wie aus einem Guß war. Einziger Wermutstropfen war der schlechte Sound zu Beginn des Konzertes, wo man Roger Cicero kaum verstehen konnte. Aber dieser Fehler war bereits mit dem zweiten Lied korrigiert.

Nach der Pause legte Roger Cicero noch mal etwas zu und führte seine einmalige Show fort. Auch hier überraschte Roger mit einer genialen Coverversion eines bekannten 80er Jahre Hits: 1000 und eine Nacht von Klaus Lage. Ich habe noch nie erlebt, daß ein Publikum schon während des Konzertes lautstark Zugaben forderte. Ein weiterer kleiner Höhepunkt war die Verabschiedung, wo er zusammen mit der Band im Stile einer Original holländischen Brass Band durch den Saal maschierte und diesen verließ. Das Publikum tobte und nach wenigen Minuten tauchten die Musiker wieder auf, um die erste von insgesamt vier Zugaben zu spielen. Ganz Profi hatte Roger Cicero drei Stücke im regulären Programm nicht gespielt, um eben noch eine Zugabe geben zu können, aber er hat wohl nicht mit der Reaktion dieses Publikums gerechnet, so daß er als vierte Zugabe noch mal seinen bislang größten Hit “Zieh die Schuh aus!” singen mußte.

Er war sichtlich von der euphorischen Reaktion des Publikums überwältig und bedankte sich mehrmals bei den Zuschauern. Zum Schluß meinte er: “Wir kommen so oft nach Düsseldorf wie IHR wollt!”

Nun ich für meinen Teil fände es besser, wenn er vielleicht öfter nach Köln käme. Und da macht er auch bald den Anfang, denn im Februar gibt es das erste Zusatzkonzert wegen des unerwarteten Erfolges – in der KölnArena! Und wir sind wieder dabei…

http://www.roger-cicero.de/

Übrigens: Roger Cicero wurde von Bayern 3 zum Newcomer des Jahres 2006 gewählt.

P.S.: Beim deutschen Vorausscheid zum Eurovision Songcontest wird Roger Cicero teilnehmen und dort unter anderem gegen Monroes antreten. Den Titel, den er dort singen wird, hat er auch im Konzert gespielt: Frauen regieren die Welt. Ein super Lied, aber ich befürchte, daß es trotz seines Erfolges nicht reichen wird. Es sei denn alle Eltern verstecken am 8.März die Mobiltelefone ihrer Kinder… 😉 Und selbst, wenn er nach Finnland darf, glaube ich nicht, daß er den osteuropäischen Musikgeschmack trifft. Nichtsdestotrotz werde ich nach ewigen Zeiten mal wieder den deutschen Vorausscheid anschauen. Und sollte er doch gewinnen, laß ich mich auch gerne bezüglich seiner Gewinnchancen eines besseren belehren. Ich drücke ihm auf jeden Fall die Daumen.

P.P.S.: Muß ich mir eigentlich Gedanken machen, daß ich auf Konzerte gehe, die von WDR4 (!!!) aufgezeichnet und später im Programm gespielt werden (am 14.02.2007 um 21.05)? Bin ich schon soooo alt???