Roger Cicero in Aachen

Am Freitag war es wieder soweit: Nach 6 Monaten haben wir Roger Cicero endlich wieder live gesehen. Diesmal in Aachen im Eurogress und das erste mal mit seinem neuen Programm „Beziehungsweise“. Und um es kurz zu machen: dieser Abend war grandios!

Insgesamt war das schon unser viertes Konzert, und man muss Roger eine unglaubliche Entwicklung seit dem ersten Konzert, das wir besucht hatten, attestieren. Damals in der Düsseldorfer Tonhalle fühlten wir uns durchaus, sehr gut unterhalten – keine Frage. Aber wenn man die folgenden Konzerte im Vergleich sieht, war Roger beim Auftritt in Düsseldorf nicht so locker, wie er es später in Köln oder eben am Freitag in Aachen war. Dort brillierte er durch launige Moderationen und lockeres Auftreten. Es war eine Freude ihm und seiner Band zu zuschauen und zu lauschen. Man merkte den Akteuren eine unglaubliche Spielfreude an und so konnte der Funke von der ersten Minute auf Publikum überspringen.

Sicherlich der Stimmung förderlich, war die Tatsache, dass der Innenraum diesmal nicht bestuhlt war, so dass so was wie Rockkonzertstimmung aufkam. Da ich aus dem Stehalter entwachsen bin und immer eine Sitzgelegenheit brauche, saßen wir auf der Empore in der ersten Reihe. Dort konnte man sehr gut die Bühne sehen, so dass der Platz schon genial war. Lediglich das weitere Publikum um uns heraus war offenbar nicht begeisterungsfähig. Bei einigen Zuschauern konnte man den Eindruck gewinnen, daß sie eher zufällig dort waren oder nicht wußten, was sie erwartete.

Das Bühnenbild hat sich im Vergleich zur ersten Tour etwas gewandelt. Zwischen den Bläsern auf der einen Seite und Lutz, Hervé und Matthias auf der anderen Seite war eine Showtreppe. Oberhalb der Treppe war eine kleine Empore und darüber hingen 8 Beleuchtung-LED-Platten, die passend zu den Stücken Beleuchtungseffekte oder Trick-Animationen erzeugen konnten. Auch dieses zusätzliche Equipment zeugt von einer nicht unerheblichen Weiterentwicklung der Show, was sich im Laufe des Konzertes auch bestätigte.

Die Band begann den Abend gewohnt kraftvoll. Nur der Sound war in der ersten Minute etwas mau, aber hier konnte schnell korrigierend nachgeregelt werden, so dass am Klang während des Rest des Abends nichts auszusetzen war. Nach Lutz’ Ansage kam Roger auf die Bühne und intonierte das erste Stück „Die Liste“. Der Saal tobte und Roger strahlte dabei eine unglaubliche Leichtigkeit aus. Seine Stimme ist live einfach der Hammer und auch diesmal baute er jazzige Versatzstücke in die Lieder ein. Überwiegend wurden die neuen Stücke gespielt und das sehr überzeugend. Ein Höhepunkt war sicher „Das Experiment“. Hier übernahm Roger während des Stückes vom Lutz das Piano, während dieser zur reingefahrenen Hammond-Orgel lief und was dann folgte, war unbeschreiblich. Ich möchte es mal eine Art Duell zwischen Piano und Hammond-Orgel nennen. Die beiden spielten sich quasi die Bälle zu (und Lutz sich in Extase) und was Lutz aus der Hammond-Orgel raus holte, war unglaublich. Ich denke, das Atttribut „Extatisch“ trifft die Sache wirklich ganz gut. Wie bei der letzten Tour waren diesmal auch wieder zwei Cover-Versionen mit von der Partie. Zuerst spielten die Jungs eine ungewöhnliche, aber absolut gelungene, verjazzte Variante von Herbert Grönemeyers „Männer“. Man hatte den Eindruck, dass es sich um ein komplett neues Stück handelte und war einfach überzeugend. Wenn die Anekdote, die Roger zum besten gab, stimmte, dann hat Herbert Grönemeyer die Zustimmung zur der Interpretation gegeben, ohne die Version sich vorher angehört zu haben. Sollte dies stimmen, dann kann ich Herrn Grönemeyer nur den Tipp geben, dieses dringend nachzuholen, denn das muß man gehört haben. Rogers Version übertrifft die bislang von mir favorisierte holländische A-Capella-Version der Bläck Fööss um Längen. Zu der zweiten Cover-Version kann man eigentlich nur ENDLICH sagen. Vielleicht hat der ein oder andere das Video bei Youtube gesehen, wo Roger bei Joja Wendt aufgetreten ist und ein Stück von Prince interpretierte. Schon bei diesem Youtube-Video haben einen die Stimme und die Interpretation umgehauen – nun hatte ich das Vergnügen diese Interpretation auch mal live zu erleben. Es war wirklich ein Erlebnis!

Ein Stück hat mich besonders umgehauen. Bei meiner Rezension über die CD hatte ich ja geäußert, dass mir der Song „Ich hätt’ so gern noch Tschüß gesagt“ nicht so wirklich zusagte. Es ist auch heute nicht unbedingt eines meiner Lieblingsstücke auf der CD, aber live ist dieses Stück ein Hammer. Auch wenn ich es ungern machen und Dieter Bohlen zitiere: Ich hatte keine Gänsehaut, ich hatte Elefantenpickel.

Was ich noch bemerkenswert finde, ist die Tatsache, dass auch die Bandmitglieder noch mehr in das Konzert eingebunden sind. In jedem Stück gab ein Instrumentensolo, so dass jeder Musiker mal im Vordergrund stand. Sehr schön fand ich auch, dass Axel für zwei Soli seinen angestammten Platz hinterm Notenständer verlassen hat und so mitten auf der Bühne stand. So konnten die Musiker auch mal in dem Mittelpunkt rücken und das Publikum von ihrem Können überzeugen (sofern das überhaupt noch nötig war): Besonders bemerkenswert war das unschlagbare Schlagzeugsolo von Matthias „Das Tier“ Meusel und das ausgezeichnete Basssolo von Herbé.

Leider war das Konzert bereits nach zwei Zugaben und 2 ½ Stunden zuende. Ich hätte den Jungs noch stundenlang lauschen können, aber leider ging das nicht. Da WDR4 dieses Konzert für eine Radioübertragung aufnahm, bestand ja die Gefahr, dass anschließend noch das ein oder andere Stück wiederholt werden musste, weil es vielleicht nicht perfekt genug eingespielt wurde. Leider ist kein schwerwiegender Fehler unterlaufen, so dass es nicht zu einer zusätzlichen unfreiwilligen Zugabe kam. Wer sich selber von diesem grandiosen Konzert überzeugen will und keine Karten mehr bekommt, kann dieses Konzert am 09.April um 21.05 Uhr auf WDR4 hören. Diesen Termin sollte man nicht verpassen, denn live sind Roger und seine Band noch viel besser als „nur“ auf CD.

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