Der Höhepunkt der Tour: Roger Cicero in der KölnArena

Was gibt es besseres als Roger Cicero zweimal in der KölnArena zu sehen und live zu erleben? – Richtig, ihn dreimal in der Arena zu sehen. Am Freitag gastierte der Sänger wieder einmal mit seiner congenialen Big Band in der wunderbaren Halle in Köln und gab ein grandioses Konzert, das man getrost als den bisherigen Höhepunkt der Beziehungsweise-Tour nennen darf.

Köln ist offenbar etwas besonders (das war mir als Quasi-Kölner schon vorher klar). Von den ganzen Konzerten, die ich mittlerweile besucht habe, stachen die Gastspiele in der KölnArena immer heraus – aber eben letzte besonders. Wir saßen in der dritten Reihe im Mittelblock des Innenraums – näher ging es fast nicht. Diesmal war der Sound von der ersten Sekunde großartig. Roger’s Stimme kam voll und ganz zur Geltung und auch der Sound der Band war ebenfalls perfekt. Die Stimmung im Publikum war wahrlich erstklassig – und das nicht nur in der Fanecke, in der wir saßen. Wenn der seltene Fall eintrat und die Reihen 3 und 4 etwas weniger lautstark waren, konnte man hören, daß der Rest des Publikums ebenso begeistert die Musiker feierten wie wir. Bei etlichen Liedern standen großeTeile des Publikums auf, weil es sie nicht mehr auf den Sitzen hielt. Und das in einer ausverkauften KölnArena, wo irgendwo zwischen 7000 und 8000 Leute waren.

Ich weiß nicht, ob es die Begeisterung des Publikums war oder ob die Jungs am Freitag einfach nur einen besonders guten Tag erwischt haben: Die Darbietung der Künstler war ausgezeichnet. Man bemerkte eine besondere Spielfreude an dem Abend, was sich an zwei Stellen besonders gezeigt hat. Zum einem das Orgel-Solo von Lutz bei “Das Experiment”. Hier hat sich Lutz wieder selbst übertroffen. Es war in der Tat sehr mitreißend und ich glaube, man kann mit Fug und Recht behaupten, daß hier die Halle tobte. Und zum anderen das Schlagzeug-Solo von Matthias. In Oberhausen hatte mir das Solo nicht so gefallen, aber dafür war es in Köln diesmal einfach nur unbeschreiblich. Getragen von der Begeisterung des Publikums steigerte er sich immer mehr in das Solo hinein. Das Publikum feuerte Matthias Meusel durch rhythmisches Klatschen immer weiter an und dieser revanchierte sich mit einem Feuerwerk an Rhythmen und Tempiwechsel. Die Begeisterung war so groß, daß Megaphon-Kathrin nach vorne an die Bühne lief und ein Muppets-Stofftier auf dieselbe warf, nämlich den Schlagzeuger der Muppets-Band – Das Tier…

Im zweiten Teil bildeten zwei Stücke hineinander das gesangliche Highlight: wie schon auf den Konzerten zuvor brillierte hier Roger Cicero wieder mit seiner Interpretation eines Prince-Stückes und seinem Lied “Ich hätte so gern noch Tschüß gesagt”. Bei ersteren konnte Roger eindrucksvoll beweisen, welche Bandbreite seine Stimme offenbar mühelos abdeckt. Und bei zweiten Stück sang er äußerst gefühlvoll fast a capella. Zwar begleitete er sich selbst auf dem Piano und Lutz ihn auf der Hammond-Orgel. Aber beide Instrumente wurden nur äußerst sparsam eingesetzt. So entstand eine schon fast unheimliche Atmosphäre: Hatte die KölnArena zuvor getobt, so schien jetzt das Publikum quasi den Atem anzuhalten. Es war muksmäuschenstill und nur Rogers Gesang war zu vernehmen. Dabei saß wirklich (aber auch wirklich) jeder Ton. Wer nach diesen beiden Stücken noch Zweifel an den gesanglichen Qualitäten von Roger anmeldet, hat möglicherweise keine Ahnung von Musik. Und nach diesem Stück brandete wieder ein Orkan von Applaus durch die Halle. Es war unbeschreiblich!

Es war wirklich ein unvergessliches Konzert, wo einfach alles stimmte. Die zweieinhalb Stunden vergingen wie im Flug. Nach dem Konzert war das Publikum außer Rand und Band. Und wieder sang die ganze Halle (wie bei den letzten Köln-Konzerten zuvor) “Oh, wie ist das schön” – schon vor der ersten Zugabe. Ich habe dies bislang noch nie erlebt – außer eben bei Roger Cicero-Konzerten in der KölnArena. Man merkte den Jungs auch an, daß sie trotz ihrer bislang vielen Konzerten, auf denen sie sicher auch gefeiert wurden, von dieser unglaublichen Reaktion überrascht und auch ergriffen waren. Und das obwohl, sie nun zum drittenmal innerhalb eines Jahres dort waren. Da ich bei allen drei Konzerten dabei war, kann ich auch sagen, daß die Begeisterung auch bei jedem Konzert größer wurde.

Alles in allem war das ein sehr, sehr schöner Abend. Von den Konzerten, die ich gehört habe, war dieses das beste – und dabei waren die anderen Konzerte zuvor sicher nicht schlecht. Ich muß sagen, daß Roger und seine Band eingefleischte Musiker sind und sie sind vorallem eines: Live-Musiker. So gut die Stücke und die Musiker auch sind – die Studio-CDs klingen im Vergleich zu den Live-Konzerten fast schon langweilig. Nicht, daß ich behaupten würde, die CDs seien schlecht. Die Jungs sind aber live einfach ein Erlebnis und man muß sie auch mal live gesehen haben, denn hier können sie ihr musikalisches Potential voll ausspielen – natürlich viel mehr als es auf einer Studio-CD möglich ist.

Die Tour ist nun mit dem Konzert in Hamburg zu Ende gegangen und alle haben sich ihren Urlaub redlich verdient. Für die Fans fängt nun eine kleine Pause an. Aber das nächste Konzert ist schon im Visir: im August in Nideggen!

P.S.: ich habe hier noch einen Bericht über das Abschlußkonzert in Hamburg gefunden.

Kommentar verfassen