Roger Cicero in Nideggen – auf der Burg – im Hof

Nach vier Monaten Pause hat sich nochmal die Möglichkeit ergeben, den verehrten Roger Cicero mal wieder live zu sehen. Diesmal war der Ort des Geschehens eher ungewöhnlich, nämlich im Rahmen der Nideggener Festspiele im Hof der Nideggener Burg. Der Ort ist mal was anderes als die üblichen Hallen. Und man muß schon sagen, daß ein besonderer Flair herrschte. Überhaupt sind die Festspiele eine interessante Veranstaltung, weil wirklich namhafte Künstler da auftreten, unter anderem auch Helge Schneider oder Till Brönner. Und einer der Höhepunkte der diesjährigen Festspiel-Saison war Roger Cicero.

Da es sich um ein Open-Air-Konzert handelte, war zunächst das Hauptaugenmerk auf das Wetter gelegt. Den ganzen Tag sah es eher weniger gut aus, aber es blieb trotz Emergency Ponchos die ganze Zeit über trocken. Vor dem Konzert machte ein Typ im Frack eine ziemlich überflüssige Ansage, in der natürlich erstmal alle Ehrengäste vom Landrat über die Sponsoren bis hin zur Vorsitzenden der Kulturinitiative im Kreis Düren begrüßt werden mußte. So ein Mist rückt eine hochkarätige Veranstaltung wie diese wieder auf das Niveau eines Wald-und-Wiesen-Dorf-Schützenfestes. Auch die Ansage des Künstler war so überflüssig wie ein Kropf. Der Mann auf der Bühne brabbelte einige sinnlose Sätze und verglich den Künstler sogar mit Johannes Heesters. Ein Vergleich, auf den ich nie im Leben gekommen wäre. Und nach seiner endlosen Laberarei schloß er mit den Worten: “Und nun nenne ich den heutigen Künstler zum erstenmal beim Namen: Roger Cicero.” Oh, welch eine Überraschung, daß er da auftritt.


Aber dann kam gleich Glanz in die Stube – nee, auf dem Hof, denn Roger und seine Band legten sich gleich wieder mächtig ins Zeug, um das Publikum gebührend zu unterhalten. Dabei stellte sich schnell heraus, daß die ersten sieben, acht Reihen wohl eher steife Ehrengäste waren. Denn während ab Reihe 9 (wo wir saßen) die Leute mitgingen, blieb man auf den vorderen Reihen lieber steif sitzen. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch und so bebte schon recht früh die Burg. Irgendwie schien Roger Cicero die Sache mit der Burg zu gefallen, denn so erwähnte er bei seinen Ansprachen nicht wie sonst üblich den Ort, sondern sagte immer: “Hier in Nideggen… auf der Burg… im Hof”. Man merkte, daß der Ort auch für die Jungs ungewöhnlich war, denn vorallem zu Beginn drohte Roger immer wieder ein “Saal” oder “Halle” rauszurutschen. So wurde im Laufe des Abends dann ein “Nideggen… auf der Burg… im Hof” der Running Gag.

Zu der Show brauche ich nicht viel zu sagen, denn die haben wir schon das ein oder andere mal gesehen. Auch diesmal waren die Jungs wieder super und über jeden Zweifel erhaben. Einziger Wermutstropfen: Offenbar wegen Platzmangels verzichtete man diesmal auf die Orgel beim “Experiment”. Wir hatten uns schon auf dieses Highlight gefreut, aber leider konnte uns Lutz diesmal nicht mit seinem Solo erfreuen. Stattdessen tritt Roger beim Prince-Cover wieder seine Stimme zu ungeahnten Höhen und deckte gefühlte 15 Oktaven ab. Gegen Ende kann man die Interpretation nur noch bombastisch nennen, denn da hat einen Teil so dermaßen mitreißend improvisiert, daß man schon Angst um die denkmalgeschützte Burg haben mußte, weil das Publikum so tobte. Im krassen Gegensatz dazu der “Ich hätt’ so gern noch Tschüß gesagt”. Normalerweise begleitet Lutz Roger auf der Hammond-Orgel, aber da die nicht da war, saß Roger diesmal ganz allein auf der Bühne. Während des Liedes haben alle im Publikum die Wunderkerzen angemacht, die vor dem Konzert vom Veranstalter verteilt wurden. Es war schon ein spektakulärer Anblick, in der Dunkelheit hunderte von Wunderkerzen zu sehen und dabei Rogers sehr gefühlvoll vergetragenden Lied zu lauschen.

Ein weiteres Highlight war die Baßimpro, die immer vor “Zieh die Schuh aus!” am Ende der regulären Vorstellung kommt. Hervé gab am Baß wieder alles und Roger improvisierte so vor sich mit “Nideggen” “Burg” und “Hof”, doch Lutz ließ Roger diesmal ziemlich verhungern und gab keinen Einsatz für das Lied. So improvisierte sich Roger einen Wolf bis ihm nichts mehr weiteres einfallen wollte. Was dazu führte, daß er dann lachend die Impro unterbrechen mußte. Lutz erbarmte sich und gab dann den Einsatz, so daß das ganze Publikum bei “Zieh die Schuh aus” mitgröhlen konnte.

Ärgerlich war nur für die meisten Zuschauer, daß die Veranstalter verbaselt haben, rechtzeitig das Pausenende durch einen Gong anzukündigen. So kam es, daß die Band gleichzeitig zum Gong die Bühne wieder betrat und die Hälfte der Plätze noch unbesetzt waren. Roger hat das aber gekonnt überspielt und fünf Minuten rumgeblödelt, bis alle wieder saßen.

Alles in allen war es auch diesmal wieder ein sehr gelungener Abend vor einer sehr stimmungsvollen Kulisse. Auch ohne Roger werden wir im nächsten Jahr das Programm der Festspiele im Augen behalten. Denn einen Till Brönner hätte ich mir auch in Nideggen angeschaut.

Kommentar verfassen