vandyrk's Blog 2.0

Von nix 'ne Ahnung, aber zu allem eine Meinung

Schüler werden von Firma beschimpft: 70% Hartz IV

Juni 20th, 2012

Das nennt man wohl ein klassisches Eigentor. Man stelle sich folgendes vor: Da möchten die Schüler der Jahrgangstufe 13 des städtischen Gymnasiums in Eschweiler einen Abiturscherz machen und fragen bei verschiedenen Firmen nach einem Angebot für eine Hüpfburg. Und so schreibt der Abiturient Maik Luu in seiner Anfrage:

 “Da wir nicht viel Budget haben, möchten wir es aber so günstig halten wie es geht. Könnten Sie uns da ein Angebot machen?”

Es steht ja nun jedem Unternehmen frei, wie es auf diese Anfrage reagiert. Man kann ein Angebot zum normalen Preis machen. Vielleicht kann man in der Tat Sonderkonditionen machen. Oder man ignoriert die Anfrage vielleicht auch. Aber das, was die Firma Clemens & Partner geantwortet hat, führt nun zu einer Welle im Internet. Nicht nur, dass die lokale Zeitung “Eschweiler Nachrichten” den Briefwechsel veröffentlicht. Der eingescannte Artikel verbreitet sich bei Facebook wie ein Lauffeuer und selbst überegionale Zeitungen wie die Welt werden auf den Vorgang aufmerksam. Was ist passiert?

Nun, offenbar war man bei Clemens & Partner etwas pikiert über die Anfrage verbunden der Bitte, da vielleicht die Hüpfburg etwas günstiger anzubieten und antwortete mit folgenden Schreiben:

 “Hallo Herr Luu, da Sie offensichtlich kein Geld haben, würde ich vielleicht von meinem Luxusdenken etwas abrücken. Wir sind Vermieter und machen das beruflich für unseren Lebensunterhalt mit dem Ziel, nicht da zu stehen, wo Sie offensichtlich stehen. Sollten Sie bei uns irgendwo ein Schild gesehen haben ‘ Geschenkladen’ , lassen Sie es mich bitte wissen”

Schließlich wurde noch der Tipp gegeben, dass man ja von jedem Teilnehmer einen Unkostenbeitrag von 5,- Euro erheben könnte. Ein etwas weltfremder Vorschlag, wenn man weiß, was ein Abischerz ist.

Maik Luu wollte das nicht so einfach stehen lassen und antwortete, wie ich finde in bewundernswerter Weise, ausgesprochen höflich und sachlich:

“Scheinbar haben Sie mich nicht oder falsch verstanden – wir möchten nichts umsonst, sondern lediglich zu Konditionen, die zu der Veranstaltung eines Abiturscherzes passen. (…) Bezüglich Ihrer Absage hätte ich mich über ein wenig mehr Höflichkeit gefreut, da ich Stellvertreter einer größeren Interessengruppe bin, alles potentielle Kunden für spätere Jahre, denen ich nun ihr Schreiben vorlesen muss.”

Maik verargumentierte sogar, warum es sogar wirtschaftlich für das Unternehmen interessant sein könnte, die Hüpfburg günstiger zu verleihen.

Statt nun die Diskussion auf eine sachliche Ebene führen, legt der Schreiber der Firma Clemens & Partner noch mal so richtig nach:

“Die Antwort war nicht unfreundlich. Sie war nur klar auf den Punkt gebracht. Bettelanfragen werden mit entsprechenden Gegenantworten beantwortet. (…) Studenten waren noch nie unsere Kunden aus wirtschaftlichen Gründen. Und sollten diese denn irgendwann mal Geld verdienen (70 Prozent werden Hartz IV), werden diese ihre Anfrage nicht mehr so stellen wie Sie, weil die dann in einer anderen Liga spielen. In gewissen gesellschaftlichen Schichten hat man nämlich einen anderen Umgangston und vor allem eine andere Zahlungsmoral. Als Bittsteller sind Sie nirgendwo gern gesehen. (…)”

Wie gesagt: dass eine Firma vielleicht ihr Produkt nicht zu Sonderpreisen verschleudern will, ist durchaus verständlich. Aber die Art und Weise der Antwort finde ich empörend. Ich war selber Abiturient und Student. Ich habe wohl das Glück gehabt, nicht als Hartz IV-Empfänger “zu enden”. Aber gut zu wissen, wie man offenbar bei der Verleihfirma über junge Menschen denkt. Da ich nicht so weit von Eschweiler wohne, weiß ich auf jeden Fall schon mal, wo ich nicht nachfragen werde, wenn ich mal für meinen Sohn ein größeres Fest veranstalten will und mir dafür eine Hüpfburg vorschwebt. Denn Preisnachlässe kann ich da nicht erwarten und ich verkehre offenbar nicht in einer Gesellschaftschicht, wo man sowas fragt. Da in meinem beruflichen Leben eigentlich bislang jeder meiner Kunden nach dem Anpassen der preislichen Konditionen nachfragt, dachte ich bislang, dass dies ein in der Wirtschaft übliches Gehabe wäre. Ich glaube, das nennt man Preisverhandlungen und gehört eigentlich zum Handwerkszeug eines jeden Einkäufer in einem Unternehmen. So kann man sich irren.

Übrigens: Offenbar hat sich eine lokale Dachdeckerfirma gefunden, die die Hüpfburg sogar kostenlos gespendet hat. Und der Scan des Artikels wurde auf Facebook fast 6000mal geteilt, der Welt-Artikel wurde z.Z. 2200mal empfohlen und dann noch mal über 60mal getwittert.

Comments

One Coment

RSS
  • Christina says on: 1. August 2012 at 15:15

     

    Ich glaubs ja nicht. Wenn ich diesen Beitrag so lese, das macht mich richtig aggressiv, dieses “Geschäftsgeabren” der Verleihfirma. Ich hab leider kein FB-Konto um zu “sharen” aber ich werde diesen Beitrag an alle die ich kenne weiterleiten und verlinken lassen. Vielen Dank. Liebe Grüsse von Tina

vandyrk's Blog 2.0

Von nix 'ne Ahnung, aber zu allem eine Meinung