Journalisten ganz “Oben ohne”

Eigentlich gebe ich nichts auf Promi-Tratsch á la Bunte, Gala und Co. Und schon gar nicht interessiert mich das englische Königshaus in irgendeiner Form. Deswegen müssen also schon weltbewegende Dinge im Adelsumfeld geschehen, so dass ich aktuelle Geschichten dazu überhaupt wahrnehme. Und nachdem offenbar Prinz Harry beim Billardspielen blank gezogen hat, hat ein französisches Klatsch-Käseblatt nun Bilder von Prinz Williams Gattin – Kate Middelton – veröffentlicht, auf denen sie oben ohne zu sehen ist. Ui…

Im Grunde ziemlich belanglos, aber ich finde den Vorgang an sich in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Zum einen möchte ich nicht wissen, wie viele notgeile Typen nun Google mit den Stichwörtern “Kate oben ohne”, “Kate topless” oder “Kate عار” traktieren, um irgendwelche verwackelte und unscharfe (im doppelten Sinne 😉 ) Bilder zu finden, auf denen eben die junge Dame ihre Brüste entblößt.

Zum anderen – und das ist noch bemerkenswerter – dass es den Journalisten offenbar in keinster Weise stört, dass hier ein Paparazzi die Privatsphäre des Paares durchbrochen hat, um an diese Bilder zu kommen. Es ist ja nicht so, dass Kate an einem öffentlichen Strand ihr Bikinioberteil gelüftet hat. Nein, die Bilder sind auf einer Terrasse eines Privatanwesens entstanden, d.h. der Fotograf Spanner muss entweder das Gelände betreten haben oder sich vom Nachbargrundstück auf die Lauer gelegt haben.

Das schlimme ist ja, dass sich dieser Rechtsbruch für den Fotografen Typen auf jeden Fall rechnet. Auch wenn das englische Königshaus den Fotografen Übeltäter ausfindig macht und er eine empfindliche Strafe bekommt, hat er doch trotzdem ausgesorgt, denn die Verlage zahlen für solche Bilder genug Geld. Und damit kommen wir eigentlich zu dem eigentlichen Urhebern von solchen unglaublichen Verletzungen der Privatsphäre: Wir alle, die wir eben diese Bilder konsumieren (siehe oben). Denn wenn nicht ausreichend viele notgeilen und sensationssüchtigen Menschen solche Zeitschriften nur wegen dieser Oben-ohne-Bilder kaufen würden, würde sich das ganze nicht lohnen. Vielleicht sollte jeder, der sich auf diese Bilder einen ru… an diesen Bildern erfreut, mal fragen, wie er oder sie es finden würde, wenn sich auf der eigenen Terrasse unbeobachtet fühlt und leicht- oder unbekleidet ein Sonnenbad genießt, das eigene Bild an nächsten Tag auf den Titelseiten von zig Blättern überall in der Welt zu finden. Aber vermutlich vergebene Liebesmüh hier an den Ansteck zu appellieren, denn solche Leute fänden es wahrscheinlich noch großartig, wenn die halbe Welt weiß, die sie nackt aussehen.

Aber dennoch sollte jeder sich mal fragen, ob nicht auch eine britische Prinzessin nicht doch wenigstens ein wenig Anspruch auf etwas Privatsphäre hat.

In diesem Sinne

Tot ziens

P.S.: Sehr amüsant in diesem Zusammenhang ist auch die Doppelmoral der deutschen Presse. Sich auf der einen Seite über die Geschichte echauffieren und die Empörung herauskehren, dann aber die Bilder (natürlich aus journalistischer Sorgfaltspflicht) abdrucken, aber das nur indirekt, in dem man nicht die Bilder selber, sondern das Titelblatt der französischen Postille zeigt.

 

P.P.S.: Habe ich mich nun in die Phalanx der Doppelmoralisten eingeordnet?

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