Habemus Papam

Gestern wurde in einer überraschend kurzen Konklave der Nachfolger von Benedikt XVI. gewählt. Um kurz nach sieben stieg weißer Rauch aus dem Schornstein der sixtinischen Kapelle hoch. Da ich unterwegs war, konnte ich die Reaktionen, als bekannt wurde, dass der argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio zum Papst Franziskus erkoren wurde, nicht verfolgen. Als ich aber zu Hause war und auf Twitter und Facebook die Reaktionen nachlesen konnte, war ich schon überrascht, wie schnell einige mit ihren Urteilen waren. Statements wie diese auf Facebook

…politisch ultrarechter Kardinal aus Argentinien…

waren noch das harmloseste, was man zu lesen bekam.
Dabei war der Anfang des Pontifikats schon mal vielversprechend: Bescheiden, demütig und mit leisen Humor trat Papst Franziskus vor die Weltöffentlichkeit. Und allein der Name ist Programm. Denn mit der Wahl eines neuen Papstnamen zum erstenmal seit ziemlich genau 1000 Jahre (913 war Lando der letzte einmalige Papstname) bricht hier Franziskus mit einer alten Tradition. Und der naheliegende Bezug zum heiligen Franziskus von Assisi läßt ahnen oder zumindest hoffen, wie der Regierungsstil des neuen Papstes sein wird. Franzikus hätte sich ein schönes Leben machen können. Er war Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers und genoss eine gute Ausbildung. Doch es kam zu einem Erlebnis, dass Franziskus umkehren ließ. Jesus begegnete ihm in einer heruntergekommenden Kirch in San Damiano und sprach zu ihm:

“Franziskus, geh und baue mein Haus wieder auf, das, wie du siehst, ganz und gar in Verfall gerät.”1

Daraufhin gab Franz von Assisi den Wohlstand und seine Privilegien auf und gründete einen Bettelorden. Und er reformierte die Kirche. Der Name, den der neue Papst sich gegeben hat, ist Programm: zurück zur Einfachheit, Bescheidenheit und prophetischen Entschiedenheit.
Und im kleinen beweist Papst Franziskus seine Bescheidenheit:

Wenn das der Papst also wirklich wahr werden läßt, was seine Namenswahl und sein bisheriges Auftreten verspricht, dann hat sich in der Kirche schon viel bewegt, auch wenn natürlich die Erwartungshaltung eigentlich eine ganz andere ist. Mit Erstaunen las ich zum Beispiel folgenden Tweet von Volker Beck von den Grünen:

Ja, was hat denn Herr Beck erwartet? Und was erwarten überhaupt die meisten vom Papst? Hat wirklich jemand geglaubt, dass aus einem Club von 115 alten Herren plötzlich jemand von zwei Dritteln der Herren auserkoren wird und dieser jemand wird ebenso plötzlich seine konservativen Gedanken über Bord wirft? Dass ein 30jähriger Jüngling mit langen Haaren und Bart auf dem Balkon tritt und gleich als erstes sagt: “Die letzten 1900 Jahre waren ein Irrtum. Liebet Euch! Und egal wen!”

In diesen Fragen wird auch mit einem progressiven Papst keine große Schritte erwarten zu sein – und eine Homo-Ehe ist so ziemlich das letzte, was man von der katholischen Kirche erwarten kann.

Es ist schon mal ein gutes Zeichen, dass mit einem Lateinamerikaner jemand Papst geworden, der die römische Kurie kaum kennt und am ehesten mit dem ganzen Geklüngel dort brechen kann. Aber man darf sich auch nichts vormachen. Die Menschen in Lateinamerika sind tiefgläubig und dementsprechend konservativ. Auf der Agenda des Papst wird auch eher soziale Gerechtigkeit und Bekämpfung der Armut stehen als eine gelockerte Sexualmoral. Aber um ehrlich zu sein: Ist die Bekämpfung der Armut nicht ein wichtiges Thema? Wichtiger als irgendwelche sexuelle Fragen und Moralvorstellungen, an die sich sowieso kaum ein Katholik drum schert?

Geben wir doch Papst Franziskus erstmal Zeit und beurteilen sein Wirken nach einer entsprechenden Zeit…

Zum Schluß noch zwei launische Tweets vom gestrigen Abend zum Thema Papstwahl…

In diesem Sinne
Tot ziens

  1. Thomas von Celano: Lebensbeschreibung des Heiligen Franziskus (Vita secunda) 1229

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