Keiner hat Google+ lieb

Während ich zu Beginn der Woche Snapseed nachgetrauert habe, jault das halbe Internet wegen der Einstellung des Google-Readers auf. Völlig zurecht, denn es gab/gibt kaum einen Reader, der dem Google Reader das Wasser reichen konnte. Jedenfalls war ich so zufrieden, dass ich nicht mal ernsthaft über eine Alternative nachgedacht habe. Nun soll also zum 01.Juli 2013 Google Reader eingestellt werden. Als Begründung hieß es, dass die Besucherzahlen nachließen und dass man sich auf die wesentlichen Projekte fokussieren wolle.

Was damit gemeint sein könnte, ist auch klar, denn seit einiger Zeit versucht Google sein eigenes soziales Netzwerk Google+ zu pushen. Das hatte seinerzeit vielversprechend angefangen, aber seit einiger Zeit dümpelt es traurig vor sich hin – zumindest in meinen Kreisen. Private Statusmeldungen sind Fehlanzeige. Ansonsten sehe ich in meiner Timeline nur neue Beiträge von Webseiten. Die Folge: ich schaue nur selten bei Google+ vorbei. Bezüglich der Beiträge von Websieten erfüllt Google+ also die Google Reader-Funktion. Aber nur oberflächlich betrachtet. Google versucht zwar durch verschiedene Maßnahmen die Nutzerzahl in die Höhe zu treiben. So sind Youtube-Anmeldungen und Android-Accounts mit Google+ verknüpft, aber nutzen tut es keiner. Beziehungsweise die meisten wissen es wahrscheinlich noch nicht mal, dass sie Google+-Nutzer sind und ggf. über ihren Fotostream im Handy fleissig auf Google+ posten. Sascha Lobo hat das Gehabe von Google in seinem aktuellen Spon-Beitrag treffend zusammengefasst:

tl;dr
Wer Googles zunehmend irrational erscheinende Aktionen nicht versteht, findet vielleicht in Brehms Tierleben eine Erklärung.

Nun kann man natürlich sagen, dass Google ein Wirtschaftsunternehmen ist und dass es das gute Recht eines Anbieters ist, nicht rentable Produkte einzustellen. Nur ist es aber so, dass Google+ in keinster Weise ein Ersatz für den Google Reader ist. Mein Blog ist sicher nicht repräsentativ, da sich nicht hunderte von Besucher hierhin verirren, aber es ist noch niemals nie ein Nutzer über Google+ hierher gekommen. Aber ich stelle fest, dass hier der ein oder andere Artikel über Facebook oder Twitter geteilt wird. Ich glaube auch nicht, dass sich Google hier einen Gefallen getan hat. Denn der Aufschrei im Netz ist groß und die elementare Frage ist nicht, wie man seine Google Reader-Daten zu Google+ migrieren kann, sondern ob es und welche adäquate Alternativen zum Google Reader existieren.

Auch bin auf die Suche gegangen und bin bei Feedly fündig geworden. Feedly basiert momentan noch auf ein existierendes Google Reader-Konto. Doch man arbeitet mit Hochdruck an eine eigene Basis, die intern Google Reader zum 01.Juli ablösen wird. Ich finde die Oberfläche sehr gelungen und übersichtlich. Webseiten lassen sich sehr leicht hinzufügen und man kann diese gruppieren. Auch die App ist ebenfalls sehr benutzerfreundlich.

Das scheinen auch viele andere so zu sehen, denn nach der Ankündigung von Google den Reader einzustellen, bekam Feedly auf einen Schlag 500.000 neue Nutzer.

Wenn also Google das Ziel hatte, durch die Einstellung Nutzer auf das ungeliebte Google+ umzuleiten, kann man wohl jetzt schon behaupten, dass dieser Plan nicht so wirklich aufgegangen ist. 500.000 potentielle Google+-Nutzer sind schon mal weg. Und ich auch.. 😉

Kommentar verfassen