Schade, 90elf geht leer aus!

Wenn ich während eines Bundesligaspiels am Rechner gesessen, war meine Wahl, was ich dabei höre, recht klar: 90elf! Nichts gegen die ARD-Bundesliga-Konferenz, aber 90elf ist anders: man kann die Spiele über 90 Minuten verfolgen und dabei sich entscheiden, ob man ein Spiel allein oder lieber der Konferenz lauschen möchte. Die Kommentaren war alle kompetent und 90elf hat sogar den ein oder anderen Kultkommentator aus dem Ruhestand geholt (Manni Breuckmann). Kurzum: Wenn der Effzeh spielt, kann ich bei der Bearbeitung meiner Fotos, das Spiel hören, mitfiebern und mitleiden.

90elf hat dabei einen neuen Markt erschlossen, der zuvor gar nicht als solcher gar nicht existent war: die digitalen Radioübertragung. Was die Menschen hinter 90elf in wenigen Jahren aufgebaut haben, ist aller Ehren wert. Und auch die DLF hat das Engagement und das Ergebnis in den höchsten Tönen gelobt.

Nun hat die DLF die Rechte für die digitalen Radioübertragungsrechte erstmals öffentlich ausgeschrieben. Und zur Überraschung aller ging 90elf leer aus. Und dabei 90elf nicht gegen einen großen Konkurrenten verloren, der auch bereits live übertragt. Nein! Man hat gegen Sport1 verloren. Ja, Sport1. Diesen Sender, dessen Sportanteil sich meistens auf den Namen beschränkt. Beim dem Sexy-Sport-Clips laufen, die weder sexy noch sportlich sind. Wo meist mehr Titten als Bälle zu sehen sind. Beim dem der letzte Rest von 9live überlebt hat.

Dieser Sender hat nun im nächsten Jahr die digitalen Übertragungsrechte für die DFL. Radiokompetenz? Fehlanzeige…

Jan Bechler von Stehplatzhelden.de bringt es auf den Punkt:

…die DFL hat heute mehreren Parteien signalisiert, dass 90elf das mit Abstand beste, überzeugendste Konzept abgeliefert hat! Am Ende stimmte das finanzielle Gebot einfach nicht.

Es werden sicher nicht die Summen im Spiel sein wie bei den Fernsehübertragungsrechten, wo man von Milliarden sprechen kann. Wenn also das Angebot von Sport1 ein paar Milliönchen höher ausgefallen sein sollte, als das von 90elf, dann kann das in der Summe kaum ins Gewicht fallen. Zumal man davon ausgehen kann, dass 90elf aufgrund der Erfahrung genau weiß, was ein refinanzierbarer und marktgerechter Preis sein wird. Und wenn Sport1 deutlich mehr als 90elf angeboten haben sollte, dann stellt sich sowieso die Frage, wie seriös ein solchen Angebot sein kann.
Klar, man kann sagen: so ist Marktwirtschaft. Aber eines sollte man auch bedenken: Hier bietet jemand ein überzeugendes Konzept (das sagt die DFL selber), das sicher im Sinne der Fans und damit letztendlich auch der Vereine sein wird. 90elf hat bewiesen, dass Fußball im Internetradio funktioniert. Was Sport1 aus den Rechten machen wird, steht in den Sternen. Im schlimmsten Fall werden in der nächsten Saison die Rechte in der Schublade dümpeln, weil Sport1 kein adäquates Angebot zustande bringt. Und 90elf wird vielleicht mit nur dem DFB-Pokal im Programm den Bach runter gehen. Und bei der nächsten Bieterrunde interessiert sich keiner mehr für die digitalen Übertragungsrechte. Da stellt sich die Frage, ob sich die Entscheidung unterm Strich gelohnt haben wird…

In diesem Sinne
Tot ziens

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