Wahlkampf in 130 Zeichen – Bilanz nach vier Tagen

Ich hatte vor wenigen Tagen ein Experiment gestartet: Wie gut nutzen die Politker das soziale Netz für den Wahlkampf und vor allem für den Dialog mit dem Bürgern? Und WIE nutzen sie es. Aus diesem Grunde schrieb je drei bekannte Politiker jeder Partei (außer der CSU, denn ich wohne nicht in Bayern) an, und habe gefragt, warum ich gerade ihre Partei wählen soll. Zunächst was das Ergebnis recht vielversprechend. Bereits nach fünf Minuten hatte ich eine Antwort von Volker Beck (oder dem Verwalter seines Twitter-Accounts). Der zweite war Bernd Schlömer von der Piratenpartei, der nach 15 Minuten geantwortet hatte. Nach etwas mehr als einer halben Stunde dann Otto Fricke (FDP), dessen Antwort ich aber zweimal lesen musste, um sie zu verstehen. Die Tweets hatte ich schon in meinem ersten Beitrag veröffentlicht. Was ist seitdem geschehen? nicht viel, denn es trudelten noch zwei Antworten ein und zwar von Alexandra Osburg, der Direktkandidatin der Piratin im meinem Wahlkreis.

Und nachts um 1:41 Uhr antwortete mir noch Peter Altmaier:

Doch seitdem ist Funkstille. Da auch nicht mit weiteren Antworten zu rechnen ist, ist es Zeit mal eine Bilanz zu ziehen:

CDU: 1 Antwort
SPD: keine Antwort
FDP: 1 Antwort
Grüne: 1 Antwort
Linke: keine Antwort
Piraten: 2 Antworten

Wobei ich sagen muss, dass das Ergebnis der Piraten nur bedingt vergleichbar ist, mit den anderen Parteien, weil Frau Osberg die einzige Direktkandidatin meines Wahlkreises ist, die ich per Twitter erreichen kann.

Ich muss auch sagen, dass ich nicht überprüft habe, wie aktiv der jeweilige Twitter-Account eines Politiker genutzt wird und in welcher Weise. Bei Gregor Gysi kann ich sehen, dass er seit dem 21.08. nicht mehr getwittert hat und auf Grund der letzten Tweets bekomme ich den Eindruck, dass er den Tweet nur zum Veröffentlichen seiner Thesen nutzt. Bis zum 08. August kann ich keine Interaktion mit einem anderem Twitterer ausmachen. Bei Frau Wagenknecht twittert auch nur sporadisch und ausschließlich in der Einbahnstrasse. Aber das ist nicht nur ein Phänomen bei den Linken. Peer Steinbrück nutzt Twitter ähnlich – immerhin finden sich bei ihm einige Retweets. Kristina Schröder nutzt auch nur die Retweet-Funktion. Direkte Interaktionen mit anderen Twitterer: Fehlanzeige.

Natürlich ist es schwierig, weil ich mir vorstellen, dass ich nicht die einzige Nase gewesen bin, die auf die Idee kommt, die Politiker direkt anzusprechen. Aber wenn Twitter nur als ein weiterer Vertriebskanal meiner Wahlkampfsprüche verwendet wird, kann man sich das auch meiner Sicht sparen. Wenn ich Parolen lesen will, kann ich einfach durch die Stadt gehen und mir dort die Plakate der Parteien anschauen. Twitter bietet die Möglichkeit mit Bürgern in direkten Kontakt zu treten. Aber nach meiner Stichprobe (die sicher nicht repräsentativ ist), drängt sich aber der Eindruck auf, dass dies nicht genutzt wird. Dabei finde ich es gerade das wichtig: in Zeiten, wo der Normalsterbliche nicht alle Aspekte der Politik verstehen kann (Stichwort Eurorettungsschirm), kann der direkte Dialog helfen sich gegenseitig zu verstehen. Ein shhönes Beispiel für einen solchen Dialog war die Geschichte, wo der norwegische Premierminister Stoltenberg sich als Taxifahrer tarnte, um mit dem Normalbürger zu sprechen. Ich gebe mich da keinen Illusionen hin – da das mit versteckter Kamera gefilmt wurde, ist das ein geschicktes Wahlkampfmanöver. Aber so wird er trotzdem mit dem ein oder anderen Bürger aufs Maul geschaut haben und verstanden haben, was den normalen Bürger so bewegt. Was er dann daraus macht, ist dann eine andere Frage.

Also unterm Strich war bislang die Nutzung von Twitter durch die deutsche Politik eher enttäuschend.

In diesem Sinne
Tot ziens

Kommentar verfassen