Servicewüste Deutschland

Gestern habe ich mal wieder Bekanntschaft mit der sprichwörtlichen Servicebereitschaft des deutschen Einzelhandels gemacht. Beim Saturn in Siegburg habe ich für meine Kamera einen Objektivdeckel gekauft. Leider habe ich mich dabei auf mein offenbar schlechtes Augenmaß verlassen und einen zu kleinen gekauft. In meiner grenzenlosen Naivität dachte ich, dass ich einfach in den Saturn wieder hineinspaziere und den Deckel gegen einen größeren eintausche – immerhin kosteten die Deckel unabhängig von der Größe dasselbe. Also bin ich zur Information und dachte, ich gebe den zu kleinen Deckel ab und kann mir dafür den größeren mitnehmen (natürlich müsste das Warenwirtschaftssystem diesen Tausch irgendwie dokumentieren, sonst würden ja die Bestände nicht stimmen – da bin zu sehr IT- und Prozessberater, um da andere Erwartungen zu haben). Selbst im Lidl oder Obi kann ich so meine Sachen umtauschen. Aber was mir die Dame an der Information dann sagte, hatte ich nicht erwartet. Ich müsse erst mal den Verkaufsraum verlassen und zum Service mit der Ware und dem Kassenbon gehen, um den falschen Objektivdeckel gegen Bargeld einzutauschen. Dann müsse ich wieder in den Laden kommen, um nun den richtigen Deckel zu kaufen. Ich hatte mehrmals nachgefragt, ob das ihr Ernst sei und ob ich das richtig verstanden habe. Aber es blieb dabei. Die einzige Variante: Erst den neuen kaufen und dann den alten im Service abgeben…

Da mir keine andere Wahl blieb, bin ich dann erstmal zu dieser Servicestelle gegangen. Dort waren dann drei andere Kunden vor mir dran – und die hatten echte Probleme: ein defektes Gerät oder ein anderes, das von der Reparatur abgeholt werden sollte, usw. Ein einsamer Mitarbeiter konnte sich mit den Kunden rumschlagen. Und diese Art der Reklamationen dauern naturgemäß etwas länger. Und dazwischen ich – mit einem Stück Plastik im Wert von fünf Euro in der Hand. Irgendwann wurde es mir dann doch zu bunt und bin gegangen, als es verständlicherweise nicht weiterging.

Und was ist nun die Konsequenz? Erstens werde ich heute in der Mittagspause noch mal versuchen den Deckel um zu tauschen, weil dort dann möglicherweise weniger los und ich auch etwas mehr Zeit habe. Zweitens werden ich den neuen Objektivdeckel nicht im Saturn kaufen. Drittens werde ich dann doch eher solche Sache bei Amazon oder einem anderem Online-Handler kaufen. Bei Amazon kostet ein vergleichbarer Objektivdeckel fast die Hälfte. Und Umtausch ist dort bedeutend einfacher. Da wundert man sich, dass der Einzelhandel vor dem Aussterben ist. Und größere Anschaffungen wie zum Beispiel ein neues Objektiv mache ich dann doch lieber bei einem richtigen Fachhändler.

Noch eine kleine Randbemerkung: Wenn ich es drauf angelegt hätte, hätte ich den Deckel auch kostenlos bekommen, denn baulich war das so blöd geregelt, dass ich mit meiner Ware durch den kompletten Verkaufsraum laufen musste, um zur Information zu gelangen. Wenn ich nun mit dem Kassenbon und einem neuen Objektivdeckel da aufgeschlagen wäre, hätte ich theoretisch nicht gekaufte Ware umtauschen können. Ich glaube, die Jungs von Saturn haben da insgesamt Beratungsbedarf.

In diesem Sinne
Tot ziens

Nachtrag: Heute mittag war ich im Saturn. Wie erwartet war wenig los und ich war sofort dran. Dennoch hat der Umtauschvorgang endlos lang gedauert. Denn zunächst brauchte der Mitarbeiter meine EC-Karte – weil ich ja mit der EC-Karte bezahlt hatte. Dann mussten meine Adressdaten erfasst werden. Dann wurde mein Kassenbon kopiert. Im Original wurde die Umtauschposition durchgestrichen. Anschließend wurde ein Formular ausgedruckt, das ich unterzeichnen musste. Danach wurde die EC-Karte in das Kartenlesegerät gesteckt, um meinem Konto den Betrag von 5,99 € gutzuschreiben. Zum Abschluß bekam ich den Beleg für die Gutschrift. Einen neuen Deckel habe ich nicht gekauft…

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