Mongol Hann – Fütterung der Raubtiere

Als chinesische Restaurants anfingen Alles-was-rein-geht-Büffets anzubieten, fand ich die Idee gut, weil man so die Möglichkeit hat, die vielseitige asiatische Küche kennen zu lernen, in dem man mal hier probierte und mal das austestete. Der folgende Bericht gibt nur meine persönliche Eindrücke von meinen Besuchen dort wider. Es ist natürlich rein subjektiv und basiert auf meine persönlichen Eindrücken. Er kann von anderen Erfahrungen abweichen.

Das Mongol Hann in Düren hat dieses Konzept nun auf die Spitze getrieben. In einem ehemaligen Plus bzw. Netto-Supermarkt untergebracht bietet man dort ein reichhaltiges chinesisch/mongolisches Büffet für etwa 15,- € an. Das ist in einem ehemaligen Supermarkt geschieht, sieht man dem Restaurant nicht mehr an. Allein: das Teil ist riesig. Und dementsprechend kommt hier auch eher Kantinenambiente auf. Wer lieber in einem kleinen schnuckeligen Restaurant sein Essen genießen möchte, ist hier definitiv falsch. Ich kann was die Personenzahl im Restaurant angeht nur schätzen, aber mit 300 Plätzen liege ich wahrscheinlich nicht so falsch. Das Publikum ist ganz klar auf das unsagbar günstige Friss-was-Du-kannst-Angebot gepolt. Wer gerne den hechelnden Atem seines Hintermanns beim Warten in der Schlange spüren möchte und wer es liebt, permanent Teller in den Rücken gestoßen zu bekommen, der wird hier nicht enttäuscht. Obwohl die Mitarbeiter immer dafür Sorgen, dass ausreichend Nahrung vorhanden ist und eigentlich nie ein Gericht oder Zutat fehlt, hat man das Gefühl, dass alle um einen herum, Angst haben zu verhungern und das nichts mehr aufgefüllt wird. Da wird auch mal gerne quer über den eigenen Teller gegriffen, wenn es dem Hintermann nicht schnell genug geht. Und was die Leute da teilweise auf den Tellern türmen, lässt einen vermuten, dass hier trainiert wird: entweder für einen Fresswettbewerb oder für einen Wie-kann-möglichst-viel-Fleisch-auf-einen-Teller-­balancieren-Wettbewerb. Einige Töpfe sehen leider durch das undisziplinierte Verhalten einiger weniger in dieser Menschenmenge auch eher so aus, als ob gerade ein Schwein nach Trüffel in den Töpfen gesucht hätte. Die Mitarbeiter versuchen die Speisen einigermaßen schmackhaft wieder herzurichten, aber sie stehen da leider auf verlorenen Posten. Fairerweise muss ich sagen, dass ich insgesamt dreimal oder viermal da war und dann immer Samstags abend, wo die Hölle los war. Wer nach sechs Uhr Abends da essen möchte, der sollte es nicht ohne Reservierung versuchen. Gestern abend haben wir noch Glück gehabt und um halb sieben einen Katzentisch für zwei Personen in der hintersten Ecke bekommen – gefühlt 3 km vom Büffet entfernt. Es mag also sein, dass wenn weniger los ist, die Schlacht am Büffet weniger nervtötend ist als am Samstag abend. Insgesamt ist das Ambiente leider ungemütlich, obwohl die Einrichtung recht nett ist. Das Lokal ist einfach zu groß, um wirklich gemütlich zu wirken, wenn es gut besucht ist.

Dementsprechend kann man bei einem solchen Angebot und einer solchen Masse Drei-Sterne-Küche erwarten. Das Büffet gliedert sich in drei Bereiche: Fertige Komplettgerichte wie “Huhn mit acht Kostbarkeiten” etc., Frühlingsrollen, und vorallem mit frittiertem Fleisch. Dann gibt es noch ein Salatbüffet für den Alibisalat und dann eine Theke, wo man eigene Zutaten zusammenstellen kann, die dann frisch gebraten werden (ähnlich wie bei Mongo’s). Da werden auch mal exotische Fleischsorten wie Känguruh angeboten. Hier muss man aber etwas Geduld mitbringen, wenn der Laden voll ist. Es dauert ein wenig, bis das Essen dann fertig ist.

Die fertigen Speisen sind ganz ok. Aber ganz ehrlich: ich habe schon besser chinesisch gegessen. Beim ersten Besuch (das war vor einem Jahr) hat mir noch alles geschmeckt, aber von mal zu mal habe ich das Gefühl, dass die Qualität der Speisen nachlässt. Und dass die Vielfältigkeit der Speisen geringer wird. Normalerweise zeichnen sich Gerichte wie “Schweinefleisch süß-sauer” durch vielfältige verschiedene Zutaten aus. Gestern konnte man den Eindruck haben, dass in der Küche nur Tomaten und Zwiebeln in der Speisekammer gefunden wurden. Fast alles war nur mit diesen beiden Zutaten hergerichtet. Und dabei waren sowohl die Zwiebeln und Tomaten eher grob zerkleinert worden. Ich hatte tatsächlich eine komplette halbe Tomate auf dem Teller. Ich mag gerne Tomaten, aber so war mir dann doch eher zu viel. Man kann das Gefühl bekommen, dass wegen des großen Andrangs die Mitarbeiter in der Küche nur noch damit beschäftigt sind, möglichst schnell für Nachschub zu sorgen – zu Lasten der Qualität. Als ich beim ersten mal dort war, habe ich vorzüglich gespeist – da war der Laden aber nur zur Hälfte besucht. Gestern war das Ding proppevoll und das Essen war definitiv für meinen Geschmack schlechter.

Um das Kantinenambiente zu vervollkommnen, sieht man die Bedienung eher selten. Dementsprechend dauert es auch etwas, bis man zu seinen Getränken kommt. Gestern wurde auch das ein oder andere Getränk leider vergessen. Die Freundlichkeit ist auch nicht auf hohen Niveau – ich glaube aber auch, dass dies dem Stress geschuldet ist, der wegen des großen Andrangs zustande kommt.

Fazit: Wer sich möglichst günstig den Bauch vollschlagen will, der ist hier richtig.Und wenn man sich das Klientel anschaut, war das auch das Ziel von 90% der Anwesenden. Wer eher ein gemütliches Essen mit exquisiten Speisen sucht, ist hier leider falsch.

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