Reflexartige Reaktionen

Man stelle sich folgendes vor: Da wird ein Buch mit dem Titel “Singen können die alle: Ein Handbuch für Negerfreunde” veröffentlicht. Das Cover ziert ein vermeintlich nackter, dunkelhäutiger Mann, dessen Genitalbereich nur durch eine Geschenkschleife überdeckt wird. Klarer Fall von Rassismus würde man meinen. Und das dachte sich auch der Student_innenRat der Universität Leipzig. Sowohl der herausgebende Verlag, der Carlsen Verlag, als auch der Autor, der Kölner Comedian Marius Jung wurden vom Referat für Gleichstellung und Lebensweisenpolitik mit der Negativ-Auszeichnung „Der Preis ist heißßßß – oder auch nicht“ prämiert. So weit, so gut… bis auf kein kleines Detail: Denn Marius Jung ist selber schwarz und bei seinen Buch handle es sich “um ein satirisches Werk (…), in dem er sein Leben als schwarzer Deutscher schildert” – so der Carlsen Verlag.

Offenbar hat man, als der Vorschlag anonym eingereicht wurde, reflexartig reagiert, ohne zu recherchieren, ob denn hier in der Tat ein rassistisches Buch vorläge. Zwar hat mittlerweile die Studentenvertretung erklärt, dass die Auszeichnung sich nicht auf “das Buch an sich” bezogen hätte, sondern auf den Titel und auf “rassistische Inhalte der Werbemaßnahme.” Die Darstellung eines nackten schwarzen Menschen mit roter Gedenkschleife erinnere an eine “rassistische Motivik”.

Aus meiner Sicht keine sehr überzeugende Argumentation, denn das Titelbild gehört ebenso zur satirischen Darstellung wie das Buch selbst. Insofern ist ein Motiv, das unsere Vorurteile bedient, ein legitimes Stilmittel, um eben satirisch auf diese Umstände hinzuweisen.

Der Autor jedenfalls beweist Humor: Er will nach Leipzig kommen und sich als Rassist auszeichnen zu lassen. Eine sicher komplett neue Erfahrung für Marius Jung…

Quelle: www.Boersenblatt.net

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