Das Haar in der Suppe

Seit Sonntag ist Deutschland (endlich) wieder Fußballweltmeister. In einem spannendem und dramatischen Finale wurde Argentinien durch ein Tor von Mario Götze in der 113. Minute besiegt. Eigentlich wollte ich in aller Ruhe meine Gedanken sammeln und meine persönliche WM-Bilanz ziehen.

Aber bevor ich machen konnte, ereignete sich heute der Feier am Brandenburger Tor, etwas das offenbar – wenn man die Kommentarlage der deutschen Medien betrachtet, schon fast als Skandal betrachten muss. Was ist passiert? Da waren einige wahrscheinlich betrunkene, sicherlich übernächtigte junge Männer, die im Überschwang folgendes zum besten gaben:

An dieser Stelle war ein Youtube-Video vom Gaucho-Tanz…

Okay, das war vielleicht nicht die intelligenteste und beste Aktion unserer Weltmeister am Brandenburger Tor, aber muss man gleich so eine Welle schlagen für so eine dumme Aktion? Irgendwo las ich auch schon was von wegen rechte Tendenzen… sagt mal geht’s noch? Wenn Bayern 4:0 gegen Dortmund verliert, ist es okay, wenn 90% der Deutschen “Zieht den Bayern die Lederhosen aus!” singen, aber hier bekommen einige Journalisten gleich Schnappatmung. Interessant einige Reaktionen zudiesem Link:

2014-07-15 22_43_31-(1) Bundesliga - Liebe taz. die tageszeitung , lieber SPIEGEL ONLINE,...

Vergessen offenbar, dass mehr als faire und vorbildliche Verhalten der deutschen Mannschaft, als man beim 7:1 gegen Brasilien auf exzessive Jubelszenen verzichtet hat und lieber den deklassierten Gegner getröstet hat. Das war Fairplay und wahrer Sportsgeist at its best. Während man sich in Argentinien diebisch freute, dass sich Neymar schwer verletzt hat, schicke der DFB eine Nachricht durchs Netz, in der man sich auf Deutsch und Portugiesisch für die Gastfreundschaft bedankte und gleichzeitig erklärte, dass man das Gefühl eben noch sehr gut kenne, im eigenen Land bei einer WM auszuscheiden.

Wenn nun die gleichen Spieler mit 2,5 Promille Alkohol und 2 Stunden Schlaf in 36 Stunden, sich über den unterlegenden Gegner lustig machen, ist das sicher nicht die feine englische Art – aber es ist sicher auch kein Zeichen von übertriebenen Überlegenheitsdenken und aufkeimenden Nationalismus. Etwas, das man bei einer Mannschaft, wo jeder Vierte “Migrationshintergrund” hat, sowieso nicht unterstellen kann. Aber nein: es wird direkt das Bild des häßlichen Deutschen wieder aus der Schublade geholt. Oder wie es die FAZ schreibt:

Die Siegesfeier am Brandenburger Tor wird zum gigantischen Eigentor. Mit einer üblen Persiflage auf ihren Finalgegner verspielen die deutschen Weltmeister das Image der weltoffenen, toleranten Nation.

Ich will gar nicht wissen, was die Anhänger von Nationen singen, wenn sie mal unsere Mannschaft schlagen. Ich glaube nicht, dass die Gesänge in Holland netter gewesen wären, wenn wir ein Endspiel gegen Holland verloren hätten. Aber da wäre keine deutsche Zeitung auf die Idee gekommen, den “häßlichen” Holländer zu beschwören.

Mein Gott, wenn man in Deutschland in der größten Euphorie nix zu meckern findet, ist man echt nicht glücklich…