Xing wird zur SPAM-Schleuder

Was im privaten Bereich facebook für mich ist, ist XING im beruflichen Umfeld: Hier kann ich meine beruflichen Kontakte pflegen und auch mein Netzwerk ausbauen. Ich nutze dieses Netzwerk bereits seit den Zeiten, wo es noch OpenBC hieß. Dementsprechend habe ich in der Vergangenheit diverse Änderungen der Oberfläche durchlitten und funktionale Erweiterungen erfahren.

Auch letzte Woche hat XING wieder mal an Oberfläche und unter der Motorhaube geschraubt. Bei der Oberfläche muss ich sagen, dass ich diesmal die Anpassungen als sehr gelungen empfinde. Das letzte Redesign war einfach nur grauenhaft. Dementsprechend empfinde ich das aktuelle Design als einen echten Fortschritt und als Arbeitserleichterung.

Die neue Start-Seite von XING

 

Was ich weniger gelungen fand (um es mal nett zu formulieren), ist die Tatsache, dass XING eine für mich sehr hilfreiche Funktion zur Spamschleuder umgebaut hat. Ich nutze nämlich regelmäßig die Funktion “Neue Kontakte finden”, um mein Netzwerk zu erweitern. Das ist für mich praktisch, weil ich nicht immer gezielt nach möglichen beruflichen Kontakten “stalken” möchte. Vielleicht kann ich mir die Vorschläge von XING basierend auf gemeinsame Kontakte und gleiche Arbeitgeber durchschauen, und gezielt mein Netzwerk erweitern.

Nach dem Relaunch habe ich nun diese Funktion natürlich wieder genutzt. Der erste Eindruck war gut, weil die Übersicht durch eben jene überzeugte: nämlich durch Übersicht! Stutzig machte mich schon der erste Kontaktvorschlag der zweiten Zeile. Ein Profil mit dem Namen “Evernote Support”. Eigentlich sind Fakeprofile nicht gestattet und XING ist da auch recht rigoros. Angeblich hätte ich mit “Evernote Support” auch gemeinsame Kontakte. Ich dachte mir nichts dabei und scrollte weiter.

Die neue Übersicht über mögliche neue Kontakte

Dabei kam ich aus dem Staunen nicht heraus – denn nun tauchte in jeder Zeile Namen auf, die ich kannte, mit denen ich nicht verbunden war. Einige verwunderten mich – denn es waren Ex-Kollegen, von denen ich dachte, dass ich mit denen bereits vernetzt gewesen wäre. Richtig verwirrt war ich, dass mir eine Freundin unter ihrem Mädchennamen vorgeschlagen wurde. Allen diesen Profilen war gemein, dass kein Profilbild besaßen und nicht anklickbar war. Als dann noch ein Kollege in der Liste auftauchte, von dem ich weiß, dass er mit sozialen Netzwerken nichts am Hut hatte, war ich überzeugt, dass hier was nicht stimmte. Schnell gab ich den Namen des betreffenden Kollegen in die Suche ein und siehe da: Er war nicht Nichtmitglied auf XING! Aber wie konnte mir XING diesen Kollegen als Kontakt vorschlagen? Im XING-Forum wurde dann fündig. Es verschlug mir echt die Sprache, was ich erfahren musste.

Diese Kontaktvorschlage kamen dadurch zustande, dass einige meiner Kontakt die praktische Funktion genutzt habe, ihr Outlook-Adressbuch für XING freizugeben, damit XING nach den entsprechenden Personen suchen konnte. Sowas sollte man eigentlich immer mit Vorsicht genießen und ich lasse von solchen Angeboten auch immer die Finger. Und die so ermittelten Adressen nutzt XING nun dazu, mir nun potentielle Kontakte vorzuschlagen, die gar nicht Mitglied bei XING sind. Und was passiert, wenn ich nun den Button “Hinzufügen” klicke, der normalerweise eine Kontaktanfrage an ein Mitglied auslöst? Nun, an die Mailadresse, die hinter dem vermeintlichen Kontakt steckt, wird nun im Namen desjenigen, der “Hinzufügen” geklickt hat, eine Einladung zu XING versendet. Das heißt, mir werden potentielle Kontakte untergejubelt, und wenn ich arglos diese Kontakte meinem Netzwerk hinzufügen will, werde ich zum Spamversender. Denn man muss schon genau hinsehen, um ein Pseudo-Profil von echten Profilen zu unterscheiden:

Ein Mensch mit Namen "Evernote Support"

  • Pseudo-Profile haben kein Profilbild
  • Sie sind nicht anklickbar
  • Es wird keine Firma und keine Position angezeigt

Ich möchte mir nun kein Urteil darüber erlauben, ob dieses Vorgehen rechtens ist oder nicht. Ich finde es dennoch fragwürdig, denn gerade in einem beruflichen Netzwerk, das auch für die Stellensuche und für das Recruiting genutzt wird, ist der sensible Umgang mit persönlichen Daten ungemein wichtig für das notwendige Vertrauen zu eben jenem Netzwerk. Klar, die eigentliche Mailadresse wird nicht angezeigt. Dem Datenschutz wird also genügt. Aber ich lade unwissentlich Menschen zu einem Netzwerk ein, dem sie nicht angehören und darf mich ggf. gegenüber Kollegen entschuldigen, dass sie in meinem Namen SPAM von XING bekommen haben. Und wenn ein Nicht-Mitglied vielleicht von vielen verschiedenen Menschen auf diesem Weg eine Einladung bekommen haben, wird das eine etwaige Entscheidung für oder gegen XING als berufliches Netzwerk nicht gerade positiv beeinflussen.

Da bei meinen Kontaktvorschlägen etwa 25% Pseudoprofile angezeigt werden, ist dadurch die ehemals sehr hilfreiche Funktion für mich schlicht und ergreifend unbenutzbar geworden.

Das ist für mich sehr schade, denn nun kann ich mein Netzwerk nicht mehr so einfach erweitern. XING ist damit unkomfortabler geworden.

In diesem Sinne
Tot ziens

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