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Ist das noch Fußball oder kann das weg?

0:6, 5:0, 4:0 und 7:0 – das sind nicht die aktuellen Fußballergebnisse der ersten DFB-Pokalrunde. Nein, das waren die Resultate des ersten Spieltages der Champions League-Saison 2016/17:

  • Legia Warschau – Borussia Dortmund 0:6
  • FC Bayern München – FK Rostow 5:0
  • ManCity – Gladbach 4:0
  • FC Barcelona – Celtic Glasgow 7:0
  • Warschau ist immerhin amtierender polnischer Meister, Rostow Vize in Russland und Celtic Glasgow ist sicher auch keine Gurkentruppe. Trotzdem sind das Ergebnisse, als ob der FC Bayern München gegen Ackerfurche Birkesdorf oder der FC Barcelona gegen Extremadura UD gespielt hätte. Hans Sarpei bringt es bei Facebook auf den Punkt:

    Mag sein, dass ein knackiges 7:0 für den Fan unterhaltsam sind. Und als singuläres Resultat ist das auch ein Teil der Faszination, die den Fußball ausmacht – neben solchen Überraschungen wie Leichester City oder Darmstadt 98 in der letzten Saison. Ich denke heute noch mit einem fetten Grinsen an das 7:1 der deutschen Mannschaft gegen Brasilien im Halbfinale der Weltmeisterschaft 2014. Aber die Häufung solcher Ergebnisse in den letzten Jahren ist in meinen Augen ein untrügliches Zeichen einer Zweiklassengesellschaft im europäischen Fußball, wo die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander klafft. Und mit der anstehenden Reform, die den großen Vereinen noch mehr Geld garantiert, ist nicht zu erwarten, dass sich daran in Zukunft irgendwas ändern wird.

    Mögen sich der FC Bayern und Real Madrid über die weiteren Millionen freuen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob nicht doch eines Tages die Einseitigkeit dieses Wettbewerbs (zumindest bis zur K.O.-Runde) nicht eines Tages rächen wird. Denn im Grunde fängt der eigentliche Wettbewerb erst mit dem Viertelfinale an – wenn die Mannschaften, die noch im Wettbewerb sind, noch einigermaßen auf dem gleichen Level spielen. Warum sollte ich also in ein teures Sky-Abo investieren, wenn ich mir die ersten sechs Spieltage getrost schenken kann? Wenn also die Zuschauer wegbleiben, keine Tickets mehr kaufen, keine Merchandisingprodukte erstehen und keine Abos mehr für die CL oder Bundesliga abschließen, dann werden die großen Vereine erkennen, dass sie nur zwei Optionen haben: Mehr Solidarität, damit es wieder mehr Wettbewerb gibt – oder man klinkt sich komplett aus dem Fußballbetrieb aus und eröffnet seine eigene Europäische Fußballliga, zu der nur die Großvereine eingeladen werden. An Option 1 werden diese nicht im Traum dran denken und so hoffe, dass das Szenario zwei so bald wie möglich war wird. Damit der deutsche Meister nicht bereits nach drei Spieltagen feststeht. Und dass auch mal Überraschungen dafür sorgen, dass wir JEDES Spiel mit Spannung uns anschauen. Ich verfolge bereits seit Jahren die CL nur am Rande. Und auch die Bundesliga verliert immer mehr ihren Reiz. Bayerns 6:0 zum Auftakt gegen Bremen war nett anzuschauen, aber glaubt irgendjemand ernsthaft, dass am Ende jemand anderes Meister als Bayern? Und das Halbfinale der CL 2017 steht doch im Grunde auch schon fest: Bayern, Real, Barca und eine weitere Mannschaft aus England oder Spanien (vielleicht noch der BVB oder Juventus). Ich schaue mir im Kino ja auch keinen Film an, der erst in den letzten 10 Minuten spannend wird.

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