Wenn Radio unverwechselbar sein will – und austauschbar wird

Schade, die Privatradiosierung des WDR schreitet leider voran. Ich kenne viele Sender, weil ich zehn Jahre lang viel mit Auto durch Deutschland gefahren. Überall hörte man den gleichen Einheitsbrei (egal ob Privatradio oder Öffis). Ich konnte nur noch zwei Sender hören: hr3 und WDR2. Interessante Hintergrundberichte, seriöse Nachrichten und vor allem: keine dämlichen Gewinnspiele, die einen den ganzen Tag nerven und mit überflüssig fetten Preisen (wenn ich aus mal Nostalgiegründen SWR3 einschalte, dann weiß ich spätestens nach 10 Minuten, was dort aktuell als Aktion läuft). Das alles vermittelt den Eindruck von Hirnwäsche. Wo ist das unverwechselbare Programm? Früher gab es noch richtige Sendungen, aber heute existieren nur noch Schienen. Bei WDR2 heißt es durch den Tag mit WDR2. Das waren noch Zeiten, wo man das Radio um 22 Uhr eingeschaltet hat, als auf SWF3 zwei Stunden nur Maxis-Versionen gespielt wurden. Oder meinetwegen auch die “Schlagerrallye”… Oder jeden Donnerstag um 23 Uhr bei hr3 Hard’n’Heavy.
Heute macht es keinen Unterschied mehr, ob ich WDR2, RPR oder Radio Erft einschalte. Dabei hätte das Radio noch das beste Potential die Digitalisierung zu überleben (im Gegensatz zum TV). Aber so unterscheidet Ihr Euch nur noch über die Gewinnspiele von 300000 Internetradiosendern oder Spotify. Bei Spotify bin ich wenigstens noch selber der Programmdirektor und ich entdecke dort eher neue Musik als wenn ich Radio höre.
Ich weiß, dass es Euch egal ist, was ich von Eurem aktuellen Programm halte. Aber ich sehe leider echt keinen Unterschied mehr zu Euren Mitbewerbern. Hans Hoff hat im Zusammenhang mit einem anderem Tag sehr schön beschrieben: http://m.dwdl.de/a/57534

Zum Schluß eine kleine Anekdote, die zeigt, wie austauschbar das heutige Radioprogramm geworden ist. Ich war unterwegs im Grenzgebiet zwischen BW und RP und suchte nun einen neuen Sender, der mich auf meiner Fahrt begleiten sollte. Beim Sendersuchlauf konnte ich so seinerzeit DREIMAL innerhalb von 10 Minuten Coldplay mit VIVA als Vida auf drei verschiedenen Sendern hören. Nach dem dritten Mal habe ich das Radio ausgemacht und eine CD von Coldplay eingelegt. Da konnte ich wenigstens noch andere Songs hören.

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