nobel-prize-1356450_960_720

Literaturnobelpreis für Bob Dylan

Eilmeldung Spiegel Online: “Bob Dylan erhält Literaturnobelpreis”. Mein erster Gedanke war: Megafail in der Spiegel-Online-Redaktion in Hamburg. Als sich dann herausstellte, dass die Meldung doch keine Ente war, war ich in zweierlei Hinsicht überrascht: Zum einen, weil ich mal einen Literaturnobelpreisträger kenne und zum anderen, weil es eben Bob Dylan ist. Sein Werk habe ich nun mal nicht in der Literaturwelt verortet. Zur Begründung hieß es vom Nobelpreiskomitee, dass Dylan “neue poetische Ausdrucksformen innerhalb der großen amerikanischen Song-Tradition” erschaffen habe. Damit wurde erstmal kein Autor im klassischen Sinne ausgezeichnet, sondern ein Liedermacher oder Songwriter, die man heute so schön sagt. Damit eröffnen sich aber für Musiker neue ungeahnte Perspektiven, denn Dylan ist sicher nicht der einzige Musiker, mit tiefsinnigen Texten. In Deutschland denke man nur an Reinhard Mey, der auch schon seit einigen Jahrzehnten viele poetische Werke mit lyrischen Texten erschaffen hat. Aber ich würde sogar weitergehen. Denn es gibt noch Musiker, die man dem Minimalismus zuschreiben muss, deren Texte aber das moderne Leben und deren Auswüchse schonungslos darlegen. Die Rede ist von H.P. Baxxter und seiner Kapelle Scotter. Sie machen bereits seit 20 Jahren Musik und werden gemeinhin unterschätzt. Für das Nobelpreiskomitee im nächsten Jahr die Gelegenheit, diesen Irrtum durch eine entsprechende Preisverleihung gerade zu rücken. Allein der erste Erfolg von Scooter offenbart die schonungslose Gesellschaftskritik, der sich diese Künstlergruppe vom ersten Tag verschrieben hat. Ich zitiere:

Hyper, hyper!
Hyper, hyper!
Hyper, hyper!
Excuse me! Where is the bass drum?
We need the bass drum!
Come on!

In blumigen Bildern zeichnen Scooter ein trübes Bild der Spaßkultur der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts. Damit kritisierten Scooter als erste die Oberflächigkeit der Jugendszene aus dieser Zeit. So offen wurde die gesellschaftlichen Probleme der damaligen Zeit noch nie angesprochen. Und auch heute sind Textzeilen wie diese hoch aktuell:

Hyper, hyper!
Sit there.
Be good.
Bye, Bye!

Später wandten sich Scooter von der Kritik an der Spaßgesellschaft zur Kritik unseres Konsumsstreben. In “How much is the fish!” erfährt diese Sichtweise ihren Höhepunkt.

Wenn also Bob Dylan heute zurecht einen Literaturnobelpreis erhalten hat, dann sollte Scooter hier in einer Reihe stehen. Wahrscheinlich wird es aber noch dauern, bis der tiefere Sinn ihres Werkes den Mainstream erreicht hat.

Kommentar verfassen