2016-10-31 11_46_18-Jennifer Weist kämpft im neuen „Jennifer Rostock_-Video „Hengstin“ nackt für Gle

Titten als Klickköder – egal was die Botschaft ist

Clickbaiting – also das Ködern von Klicks mittels sensationslüsternden oder rührseligen Überschriften – ist ja mittlerweile legitimer Bestandteil des modernen digitalen Journalismus. Wer sich einen Überblick darüber verschaffen will, wie schamlos einige Medien dieses Mittel nutzen, um Leser auf ihre Seiten mit Nicht-Nachrichten zu locken, dem sei die Rubrik “Für Sie geklickt” vom Bildblog.de wärmstens empfohlen. Dort findet man nicht nur die üblichen Verdächtigen wie die Huffington Post, sondern auch zum Beispiel “Die Welt”.

Qualitätsjournalismus a la Welt
Qualitätsjournalismus a la Welt – Screenshot vom Bildblog.de

Das sind aber noch Beispiele des offensichtlichen Clickbaitings. Es geht aber auch subtiler mit den Mitteln der 90er Jahren, nämlich nackte Frauen verkaufen sich ja immer gut. Und wenn man dann noch pseudojournalistisch darüber berichten kann, ist das Deckmäntelchen der vermeintlich seriösen Berichterstattung perfekt. So ging vor einigen Wochen bereits das neue Video von Frida Gold (“Langsam“) durch die Schlagzeilen, weil deren Sängerin Alina Süggeler in eben jenem Video nackt und unbekleidet zu sehen ist (“Hechel, hechel!”). Der Stern hat immerhin mit einem “Interview” versucht, der Story eine gewisse Tiefe zu verleihen. Aber dennoch war der Tenor der Berichte: “Leute, hier könnt Ihr Alina Süggeler nackt sehen!”

Aber so richtig fragwürdig ist dieser Berichtstil bei dem nun erschienen Video von Jennifer Rostock “Die Hengstin“. Denn dort ist nun die Sängerin Jennifer Weist unbekleidet zu sehen. Ein gefundenes Fressen für die Berliner Zeitung. Zwar berichtet die Zeitung für ihre Verhältnisse ausgiebig (also rudimentär) über die Intention dieses Liedes.

Das Lied soll alle Frauen zu Stärke ermutigen: „Liebe Mädchen, liebe Frauen, traut euch was! Tretet nach vorne, sagt wer ihr seid und habt keine Angst vor Rückschlägen“, schreibt Jennifer Weist auf Facebook. Frauen hätten nach wie vor weniger Karrierechancen, würden in gleichen Jobs weniger als Männer verdienen und hätten mit krasseren Vorurteilen zu kämpfen. –

Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/24997770 ©2016

Aber so richtig hingehört scheinen die Herren aus der Redaktion nicht zu haben. Heißt es doch im Refrain des Songs:

Du fragst, was Sache ist? Reden wir Tacheles!
Ich glaube nicht daran, dass mein Geschlecht das schwache ist
ich glaube nicht, dass mein Körper meine Waffe ist
ich glaube nicht, dass mein Körper deine Sache ist

Das nun Jennifer Weist als Zeichen des Selbstbewußtseins unbekleidet im Video auftritt, aber alles verdeckt, was irgendeinem Lustmolch interessant sein könnte (“ich glaube nicht, dass mein Körper deine Sache ist”), wird zwar auch im Artikel erwähnt. Aber das verhindert nicht, dass der Autor des Textes am Ende noch anmerkt:

Neben Weist sind noch weitere „Hengstinnen“ wie Ex-Schwimmerin Britta Steffen (32) und Moderatorin Visa Vie (29) zu sehen – ALLERDINGS angezogen.

(Hervorhebung von mir!)
Die Botschaft des Liedes, dass Frauen mehr gleichberechtigt, weniger benachteilt und auch nicht als Sexobjekt wahrgenommen werden sollten, scheint ja wirklich angekommen zu sein, wenn die Essenz dieses Artikels ist, dass Jennifer nackt für die Glichberechtigung kämpft – und die anderen starken Frauen im Video nicht. So ein Mist aber auch… 😉

P.S.: Natürlich ist dieser Artikel auch nur ein Versuch mit nackten Frauen Klicks zu generieren… nicht!

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