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Erstickt Web 2.0 an seiner eigenen Freiheit? Drucken E-Mail
Geschrieben von vanDyrk am Samstag, 16 Juni 2007
Über das Thema Flickr und Zensor habe ich heute und gestern schon was geschrieben. Ich möchte da jetzt auch nicht weiter die unsinnige Holzhammermethode, mit der man versucht, den Deutschen Gesetze zu entsprechen, kommentieren. Was mich an der Stelle stutzig macht, ist schlicht und ergreifend die Tatsache, daß in dem Zusammenhang Deutschland mit Ländern wie Shanghai, Hong Kong und Korea in einem Atemzug genannt wird. Steht es so schlecht um unsere Gesetzgebung, daß sich ein Webseitenbetreiber nicht anders zu helfen weiß, als ein schwachsinnige und doch leicht zu umgehbares Filter-System einzubauen?

Image

Wenn ich mal die Ereignisse des Webs in den letzten Monate mal so Revue passieren lassen, kann ich mich tatsächlich nicht des Eindrucks erwehren, daß hier doch irgendwas faul im Staate Deutschland ist. Als juristischer Laie kann ich natürlich beurteilen, woran es liegt, aber mein gesunder Menschenverstand sagt mir, daß hier einiges gerade schief läuft.

  • Da werden Blogbetreiber wegen Brötchenfotos abgemahnt. Klar achte ich auch auf das Urheberrecht und ich wäre auch sauer, wenn ich meine Santorini-Bilder demnächst in einem Bildband bei Amazon.de sehe. Aber irgendwie fehlt mir bei einigen Merkwürdigkeiten einfach die Verhältnismäßigkeit. Natürlich ist es nicht geschickt einfach ein Bild ohne Angaben von Quellen kommentarlos auf seiner Seite einzubauen.
  • Da wird einem Blog über die olympischen Winterspiele in Turin geschrieben und schwups hat der Betreiber eine Abmahnung am Hals. Natürlich ist das Markenrecht richtig und wichtig. Und natürlich muß das Markenrecht auch durchgesetzt werden. Aber so?
  • Da bekriegen sich zwei Menschen über einen langen Zeitraum auf diversen Blogseiten so heftig und überziehen sich gegenseitig mit Klagen und einstweiligen Verfügungen, daß nachher einer der beiden im Knast sitzt. Ich kenne die ganze die Geschichte nicht, die dahinter steckte und vorallem will ich sie nicht wissen, aber nachvollziehbar ist das ganze nicht - schon gar nicht, wer wie wo wann recht hatte.
  • Da sammelt ein Forum nachweisliche Fakten, die dem geneigten Leser schon den Schluß nahelegen, daß an eventuellen Betrugsvorwürfen schon was dran sei, und kurz darauf steht dieses Forum vor dem Aus, weil man mit ein paar Abmahnungen die Kosten der Auseinandersetzung sehr hoch ansetzen kann.
  • Warum darf man Bilder des Eiffelturms bei Tag im Internet veröffentlichen, bei Nacht aber nicht? Klar, die Beleuchtungsfirma hat ein Copyright auf die Beleuchtung. Auch hier reicht mein Verstand nicht mehr aus, um alle Aspekte in voller Bandbreite zu verstehen.
  • Und nun sperrt ein großer Community-Betreiber in vorauseilenden Gehorsam ein mitteleuropäisches Land aus, weil angeblich die Gesetze so restriktiv sind, daß man sich nicht besser zu helfen wüßte.




















Ich kann bei all den Vorgängen nicht entscheiden, ob das wirklich Recht ist. Aber ob alles GERECHT ist, lasse ich mal dahin gestellt. Der Gedanke von Web2.0 war eigentlich ein einfacher: Die Nutzer stellen selbst den Inhalt zur Verfügung. Eigentlich eine tolle Sache, die auch viele Freiheiten versprach. Und natürlich müssen Freiheiten schon etwas eingeschränkt sein, denn z.B. das Urheberrecht aufs Musik oder Bilder sollte gewährleistet sein. Aber braucht es wirklich teure Abmahnungen und verquere Rechtsprechung, um das Recht durchzusetzen. Natürlich muß geistiges Eigentum geschützt werden. Natürlich darf man andere Menschen nicht im Internet beleidigen. Natürlich darf man im Internet Pornografie nicht frei zugänglich verbreiten. Natürlich dürfen Nazisymbole nicht verbreitet werden. Das stelle ich nicht in Frage. Aber was bleibt von der vermeintlichen Freiheit, wenn man bei jedem Satz befürchten muß, dafür belangt zu werden und mindestens eine Abmahnung von 2000 Euro im Briefkasten zu bekommen?
Ist das in anderen europäischen Ländern auch so? Wieso hört man nur aus Ägypten, Iran, China und Deutschland von Bloggern, die durch ihre Blog in Schwierigkeit geraten? Gibt es in Holland keine Probleme?



(4238 mal gelesen)
Sektion: Blog Kategorie: Mein Weblog

Kommentar(e)
www.bojeonline.de
Boje äußerte sich aus innerer Erleuchtung heraus am 2007-06-17 15:27:57
Sehe ich genaus so. Die Schuld sollte nicht primär bei flickr gesucht werden, der Hund ist vielfach woanders begraben.  
Es liegt niemals im Interesse eines Unternehmens, seinen Kunden vor den Kopf zu stossen. Und Du hast völlig Recht - es betrifft nicht nur flickr. Morgen sind es vielleicht andere Dienste, die die Lucken dicht machen.  
Gruß 
Boje

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