| Der sinnlose Megapixelwahn |
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Geschrieben von vanDyrk am Samstag, 23 Juni 2007 Höher, weiter, schneller... die Werbung wird getrieben von Komparativen und Superlativen. Wenn man heutzutage hört, daß das Waschmittel XY so weiß wie noch nie wäscht, dann stellt man sich die Frage, ob es denn früher nicht weiß waschen konnte. Auch im Kameramarkt wird der geneigte Käufer mit Superlativen überschüttet. Nachdem auch der letzte Depp verstanden hat, daß 10fach digitaler Zoom toll klingt, aber nichts bringt, wird nun vorallem mit der Megapixelzahl geworben. Zuletzt sah ich einen Prospekt eine 10 Megapixelkamera für 150,- Euro. Meine Canon EOS 350d kann nur 8 Megapixel. Kann ich die deswegen jetzt wegschmeißen? Nun, bestimmt nicht. Erstmal muß man die Megapixelanzahl an sich hinterfragen. Kann die Kamera wirklich die Megapixel auflösen, die auf der Packung angeben wird? Gerne wird mal mit einer Auflösung geworben, die Kamera nur durch Extrapolation erreicht. Das heißt, die Kamera kann 3 Megapixel auflösen und dann das Bild auf 5 Megapixel hochrechnen. Das ist genauso sinnvoll wie digitaler Zoom, denn in beiden Fällen werden die Bildinformationen hochgerechnet. Darunter leidet aber die Bildqualität, denn wo soll das Programm die fehlenden 2 Megapixel Informationen herholen? Ich habe mal im folgenden Beispiel versucht den Effekt nachzustellen. Hierzu habe ich ein Bild genommen, und erst verkleinert, um es anschließend wieder zu vergrößern. Beim Verkleinern gehen Bildinformationen verloren. Die kleine Version sieht jeweils ordentlich aus. Wenn man nun die Bilder wieder vergrößert, hat das Programm das ursprüngliche Bild vergessen und kann nur aufgrund der vorhandenen Informationen diese sozusagen erraten. ![]() ![]() ![]() Dementsprechend ist auch das Ergebnis: ein unscharfes, teilweise schwammiges Bild. In dem einen Fall entspricht die Vergrößerung einem zweifach digitalen Zoom, in dem anderen einem Vierfachzoom. Das Ergebnis ist nicht wirklich überzeugend. Deswegen sollte man sich auch hier nicht blenden lassen und im Zweifelsfall mal hinterfragen, was es mit der angegebenen Megapixel auf sich hat. Ist ja auch logisch: Bei einem Chip, der 4 Megapixel abbilden kann, ist die Fläche je Pixel größer als bei einem Chip in der gleichen Größe aber 8 Megapixel. Und bei einer größeren Fläche fällt in der gleichen Zeit mehr Licht ein. Ergo Aber das ist noch nicht alles. Denn selbst, wenn eine Kamera wirklich echte 10 Megapixel hat, muß das noch lange kein Qualitätsversprechen sein. Das Problem ist nämlich folgendes: Die Chips, die die Bildinformationen aufnehmen, werden ja nicht mit steigender Pixelzahl größer, sondern eher kleiner oder bleiben im Vergleich zum Vorgängermedoll gleich groß. Das bedeutet aber auch, daß immer weniger Platz auf den Sensoren zur Verfügung steht, denn mehr Auflösung bedeutet auch mehr Pixel auf dem Chip. Was hat das für Konsequenzen? Jeder Pixel bekommt unterm Strich so natürlich weniger Licht ab. Nun gibt es bei Messungen immer ein Hintergrundrauschen. Wenn ein Signal stark ist, läßt es sich leicht vom Hintergrundrauschen absetzen. Ist das Signal jedoch schwach, so nimmt das Hintergrundrauschen einen signifikanten Einfluß auf das Meßergebnis. Und wenn nun die Lichtverhältnisse schwach sind und die Kamera deswegen mit einem höheren ISO-Wert das Bild aufnehmen muß, kann das Rauschen ab einem bestimmten ISO-Wert störend werden und das Bild im Prinzip unbrauchbar machen. Das folgende Beispiel macht das deutlich: ![]() Dieses Bild wurde mit Blende 3,2 und einer Belichtungszeit von 1/32s mit der Ricoh Caplio R3 aufgenommen. Die Kamera hat hierzu einen ISO-Wert von 200 genommen, also nicht besonders empfindlich. Und dennoch ist das Bildergebnis katastrophal. Das Bild ist ein Ausschnitt aus einem Original, der Ausschnitt wurde lediglich um 50% in der Größe reduziert, d.h. in der Originalgröße ist das Rauschen noch schlimmer. Zum Vergleich: Die Canon EOS350d schafft ISO-Werte bis 1600 und fängt erst bei 800 ein wenig an zu rauschen. Also solche Bilder mit Schneetreiben habe ich noch nie erhalten. Daß dies nicht nur mein persönlicher Eindruck ist, sondern auch in anderen Testberichten ans "Tageslicht" kam, davon kann man sich leicht überzeugen. So schrieb die Chip in ihrem Test: "Starkes Bildrauschen schwächt Gesamteindruck Die Bild-Ergebnisse waren meist ordentlich, die Farben sind neutral. Aber Vorsicht: Überlassen Sie die Auswahl der Empfindlichkeit (ISO) den automatischen Programmen, kann es zu Ausrutschern kommen. Bei Probeaufnahmen im Schnee nahm die Caplio Portraits plötzlich mit ISO 200 oder ISO 400 auf – das starke Bildrauschen ist dann nicht zu übersehen." Deswegen ist es wichtig, sich vor dem Kauf einen Eindruck von der Stärke des Rauschen zu verschaffen und wann das Rauschen einsetzt. ISO 200 ist nicht wirklich hoher Wert und wird eigentlich ziemlich häufig verwendet. Deswegen ist eine Kamera, die in dem Bereich bereits zu rauschen beginnt, ein Ärgernis. Und noch was sollte man immer bedenken: was will man mit den Bildern machen? Meine erste Digitalkamera war eine Sony DSC-P2 mit 2 Megapixel. Normale Abzüge in der Größe von 9x13cm sahen zufriedenstellend aus. Nur bei größeren Abzügen wurde es schnell problematisch. Bei der Konica Minolta Dimage Z2 mit 4 Megapixeln sind Abzüge bis 20x30cm qualitativ überzeugend. Das ist bereits ein recht großer Abzug für Normalsterbliche Hobbyfotografen. Wer also nicht größere Bilder machen will, der ist mit einer 4 oder 5 Megapixelkamera gut bedient - wenn sie weniger rauscht als ihr höher auflösendes Pedant sogar ein MUSS... (3410 mal gelesen) Sektion: Fotografie Kategorie: Tipps für die Fotografie
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