Dieses Blog ist NOFOLLOW-frei!

Es gibt einen neuen König

Posted in

Okay, das ist der Moment, wo ich mich offenbaren muß: ich habe die letzte Staffel von “Ich bin ich Star! – Holt mich hier raus!” geschaut. Und ich schäme mich auch nur bedingt dafür. Immerhin stehe ich nicht allein da – haben doch gestern abend über 6 Millionen Menschen das Finale bei RTL gesehen, während im Zweiten 10 Millionen Zuschauer “Wetten dass…?” geschaut haben. Und gewonnen hat… Ex-Bro’Sis-Mitglied Ross Antony vor Ex-Pornodarstellerin Michaela Schaffrath (dem ein oder anderen besser bekannt als Gina Wild – damit steigere ich wohl meine Klickrate um weitere 10%). Überhaupt hatte auch diese Veranstaltung einen hohem Ex-Anteil: Ex-Nationaltorhüter Eike Immel, Ex-DSDS-Kandidat Lisa Bund, Ex-Moderator Björn-Hergen Schimpf, die Ex-Frau von Bernd Herzsprung, …

Aber ich habe mir das Spektakel weniger wegen der “Prominenten” angeschaut. Wer will auch zu sehen, wie 10 Möchtegern-Stars eigentlich nur darauf warten, daß sie den berühmten Satz sagen können, um sich einmal als Star zu bezeichnen? Wie sehr die Teilnahme einiger Kandidaten an dieser Sendung an der zu erwartenden Medienpräsenz gekoppelt war, konnte man eindrucksvoll (und teilweise auch sehr erschütternd) an der jungen Lisa Bund sehen. Nicht nur, daß sie eine chronische Gastritis im Vorfeld verschwieg, um ihre Teilnahme nicht zu gefähren. Vielmehr brach es aus ihr nach wenigen Tagen heraus, als mal wieder der Verzweiflung nahe war. Stefan Niggemeier hat diesen erschütternden Ausbruch der Gefühle auf seiner Seite Fernsehlexikon dokumentiert und sich seine Gedanken dazu gemacht. Aber schon das Zitat allein steht für sich und zeigt, daß Lisa sich verzweifelt darum bemüht, die Anerkennung als Künstler zu bekommen, die sie gerne hätte.

Ich hab soviel Heimweh. Ich hab keinen Bock, hinterher rauszugehen und dass ich mich dann so fertig gemacht hab. Für mich hab ich hier schon bewiesen, dass ich gut war. Ich weiß, egal was ich jetzt mache, wäre falsch. Ich kann nicht hier bleiben, ich kann aber irgendwie auch nicht rausgehen, weil ich Angst habe, wieder was falsch gemacht zu haben. Ich fühl mich nicht wohl hier. Gar nicht.
Ich weiß nicht, ob ich gehen soll oder ob ich bleiben soll. Ich hab versuchen wollen, dass die Leute mich lieben wegen meiner Musik. Und das hat alles nicht so funktioniert, wie ich es wollte. Und jetzt muss ich hierher kommen, um den Leuten was zu beweisen.
Ich hab ein Problem mit mir selber. Ich weiß gar nicht, warum ich hier bin.

Auch Ross wollte eigentlich nur beweisen, daß er kein Weichei ist. Zwar brach er schon bei den kleinsten Anlässen zusammen, aber er zeigte auch in der Tat Kämpferherz und überwand viele Ängste. Dabei bewies er auch soviel Selbstironie, daß es manchmal unglaublich war, daß er wenige Augenblicke zuvor in einem Meer von Tränen versunken ist. Ein kleiner Klassiker ist seine Parodie auf sich und seine Mitstreiter…

Nein, die Star waren nicht der Grund fürs Schauen. Vielmehr war das kongeniale Duo Dirk Bach & Sonja Zietlow. Denn beide haben so herrlich durch diese Sendung geführt, daß man schon den Eindruck haben konnte, man würde sich eine Parodie auf die Doku-Formate und die Eigenvermarktung der privaten Sender anschauen. Die Liste der ironischen Höhepunkte ist endlos lang. Da ist als erstes der erfrischend komische Umgang mit der Eigenwerbung für musikalische Begleit-CD zur Sendung zu nennen:

Beide (machen nach einem Gesangswettbewerb unter den Kandidaten Michaelas Lied nach und singen): Ich habe Zwiebeln auf dem Kopf, ich bin ein Döner…
Zietlow: Ja, meine Damen und Herren, auch dieser Song ist nicht auf dieser CD, die ab sofort im Handel erhältlich ist (zeigt die offizielle CD zur Sendung).
Bach: Und auch Eikes Rap-Versuche sind nicht auf dieser CD. Für mich zwei wichtige Gründe, diese CD zu kaufen — wenn nicht sogar die einzigen.
(Er wirft die CD von einer Brücke in den Dschungel. Als Sonja protestiert, beruhigt er sie:)
Bach: Schatz, was gut ist, kommt auch wieder zurück. (Beide schauen der CD hinterher in die Tiefe.) — Komisch, bleibt unten.

Oder in der nächsten Folge:

Zietlow: 15 Knallerhits drauf für ein Publikum, das nicht weglaufen kann.
Bach: Lauter Kracher. Mit denen kriegen sie jedes Festzelt voll — gesetzt den Fall natürlich, dass Sie ein paar Hundert Stück kaufen.
(Sie werfen die CD wieder in den Dschungel und schauen ihr hinterher.)
Bach: Jetzt müssen wir schon wieder ‘ne Neue kaufen! — Naja gut, sind wenigstens drei verkauft.

Oder auch, wo die beiden eine Wette abschließen und Dirk Bach seinen Wetteinsatz vorschlägt:

Wenn ich die Wette verliere, höre ich alle 15 Lieder auf dieser CD – sogar das gute!

Das war so herzerfrischend anders als das, was uns die Sender als Knaller-Comedy am Fun-Freitag immer wieder vorsetzen (das geniale Pastewka ausgenommen). So viel Selbstironie auf die eingefahrene Medien-Doku-Casting-Trash-Maschinerie findet man heutzutage selten, wo selbst die Comedians zu einer Karikatur ihrer selbst verkommen sind – unfähig das Tagesprogramm des Fernsehens zu parodieren (auch hier muß ich Bastian Pastewka wieder ausnehmen, denn dessen geniale Parodie zusammen mit Anke Engelke bei ihrer gemeinsamer Weihnachtsshow ist ein Höhepunkt des letzten Jahres). Unter diesem Aspekt ist es schade, daß “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!” schon wieder vorbei ist. Zum Schluß lasse ich einfach Stefan Niggemeier zu Wort kommen, der wieder mal auf den Punkt bringt:

Ganz grandios schließlich: eine Parodie der beiden auf die hölzernen Moderationen und unfassbar schlechten Witze bei Ups, die Superpannenshow — eine Art Sketch, der nicht nur deshalb so lustig war, weil die beiden selbst sich schon wegwarfen vor Lachen. Und am Schluss tippte der Dirk der Sonja noch übermütig mit dem Zeigefinger auf die rechte Brustwarze, und sie sagte „Dingdong“, und — ich merke gerade, das lässt sich nicht nacherzählen. Es war sehr, sehr albern, und ich werde sie vermissen, denn die Frau, die von nächster Woche an wieder roboterhaft Die Zehn wegmoderiert, das ist eine andere.

Verteile es in die Welt:
  • Print
  • Digg
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • LinkedIn
  • MisterWong.DE
  • StumbleUpon
  • Technorati
  • Twitter
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg
Posted by vanDyrk   @   27 Januar 2008

 

0 Comments

No comments yet. Be the first to leave a comment !
Leave a Comment


Kommentarlinks könnten nofollow frei sein.
Previous Post
« Bin ich jetzt im Radio?
Next Post
President Putin of Germany… »
Powered by Wordpress   |   Lunated designed by ZenVerse